Washington/Ankara. Als Recep Tayyip Erdogan im April 2017 das von ihm angestrebte Verfassungsreferendum gewann, war Donald Trump der einzige westliche Staatschef, der dem türkischen Präsidenten gratulierte. Der US-Präsident griff damals sogar zum Telefonhörer, um seine Glückwünsche persönlich zu übermitteln, anstatt wie gewöhnlich ein paar Twitter-Nachrichten abzusetzen.

Zweieinhalb Jahre später ist von den türkischen Hoffnungen, dass mit dem neuen Mann im Weißen Haus alles einfacher und besser werden würde als mit Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, allerdings kaum noch etwas übrig. Denn wenn Erdogan Trump am Mittwoch in Washington einen Besuch abstattet, kommen zwar zwei Männer zusammen, die einander auf persönlicher Ebene offenbar gut verstehen und die den jeweils anderen als starken Führer wertschätzen. Gleichzeitig wird das Treffen aber von den zahlreichen Konflikten überschattet, die die beiden Nato-Partnerstaaten beschäftigen.

So hat Trump im vergangenen Monat mit dem überraschenden Rückzugsbefehl für die US-Truppen Erdogan gewissermaßen grünes Licht für die türkische Invasion im Nordosten Syriens gegeben. In der Folge kamen aus den USA aber höchst widersprüchliche Signale. Als Reaktion auf den türkischen Vorstoß brachte das US-Repräsentantenhaus ein umfangreiches Sanktionspaket auf den Weg und auch der Präsident änderte nach der massiven Kritik aus den Reihen seiner Republikaner deutlich die Tonlage. Sollte sich die Türkei "inhuman" gegenüber den Kurden verhalten, werde er die türkische Wirtschaft "total zerstören", drohte Trump mit Verweis auf die für die Türkei verheernden Sanktionen, die die Vereinigten Staaten im Sommer 2018 im Zusammenhang mit der Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson verhängt hatte.

Bereits seit Monaten streiten die USA und die Türkei auch schon über den Kauf russischer Luftabwehr-Raketen durch die Türkei. Denn während für Erdogan die Anschaffung der hochentwickelten S-400-Batterien eine Frage des nationalen Stolzes ist, sehen die USA vor allem eine Gefahr für ihre eigenen Waffensysteme. Sie befürchten, dass über die vernetzten S-400-Einheiten auch sensible Daten an Russland gelangen, wenn die Abwehrraketen gemeinsam mit den amerikanischen F-35-Tarnkappen-Jets Manöver abhalten. Die USA haben die Türkei daher bereits aus dem F-35-Programm ausgeschlossen. Erdogan zum Ausstieg aus dem S-400-System zu bewegen, ist auch ein zentrales Ziel der US-Seite für Erdogans Besuch. Dass der türkische Präsident Trump diesen Wunsch erfüllt, ist aber wenig wahrscheinlich. So haben türkische Regierungsvertreter bereits vor dem Treffen abgewunken.