Hochverrat, Erpressung und andere schwere Verbrechen und Vergehen: Die Gründe, um einen US-Präsidenten des Amts zu entheben, werden von der US-Verfassung äußerst vage gehalten. Deswegen ist es auch noch nie dazu gekommen.

Was den oppositionellen Demokraten bleibt, ist die Beeinflussung des öffentlichen Bildes. Und dazu gehört ein Livestream mit Menschen, die über das vermeintliche Verbrechen des Amtsinhabers Zeugnis abgeben müssen. Ab Mittwoch können die ganzen USA daran teilnehmen: Wenn hochrangige Diplomaten darüber aussagen, wie bedenklich sie Donald Trumps Vorgaben und Aktivitäten in der Ukraine finden.

Die Anhörung am Mittwoch fängt gleich mit dem "Star" unter den Zeugen an, wie es die US-Medien formulieren. Bill Taylor, der geschäftsführende US-Botschafter in der Ukraine, hatte zuvor schon - hinter verschlossenen Türen - erklärt, dass es ein ganz klares "Einvernehmen" mit dem Weißen Haus darüber gegeben hätte, dass die Ukraine die Militärhilfe erst erhalte, wenn das Land Untersuchungen gegen Trumps Konkurrenz einleitet. Und das auch öffentlich bekundet. Konkret wäre es Trump um den demokratischen Spitzenkandidaten ums Präsidentenamt, Joe Biden, und dessen Sohn Hunter gegangen, die Geschäfte in der Ukraine machten.

Für die Ukraine ging es um knapp 400 Milliarden US-Dollar, die versprochen waren und auf einmal zurückgehalten wurden.

Für die US-Demokraten war dieses Muskelspiel ein klarer Fall von Amtsmissbrauch. Hier ging es nicht um Außenpolitik, sondern um die persönlichen Interessen des US-Präsidenten für den Wahlkampf.

Für ein paar Republikaner war das Telefonat, in dem Trump den Präsidenten der Ukraine Wolodymyr Selenskyj dazu aufgefordert hat, Ermittlungen gegen die Bidens einzuleiten, zwar "nicht perfekt", aber auch "kein Grund" für eine Amtsenthebung.

Was ist schon ein Amtsmissbrauch?

Ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums hatte bereits ausgesagt, dass die US-Hilfen für die Ukraine "immens wichtig" seien, aber "parteiische Interessen" hier gegen die US-Außenpolitik gearbeitet hätten.

Für ein paar Verfassungsexperten in den USA ist die Frage, ob dieses Gebaren nicht doch auch von den Kompetenzen des Präsidenten gedeckt sei. Schließlich gibt der Präsident, nicht das Außenministerium, die Außenpolitik vor.

Seit der Ankündigung der Demokraten Mitte September, erste Schritte für ein Amtsenthebungsverfahren zu starten, wurden Zeugen hinter verschlossenen Türen vernommen.

Die Demokraten wollen nun, dass sich die amerikanische Öffentlichkeit ein eigenes Bild von den Zeugen macht. Trumps Republikaner pochen auf die öffentliche Aussage von Hunter Biden und einem anonymen Whistleblower, der die ganze Affäre ins Rollen gebracht hatte. Wenn der nicht komme, dann ist "das ganze Ding tot im Senat", erklärte der republikanische Senator Lindsey Graham. Was er meint: Sollten die Demokraten im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren beschließen, wird dem in der zweiten Phase, im republikanisch dominierten Senat, sofort der Stecker gezogen. Ohne Whistleblower werde man also nicht einmal darüber diskutieren.