Ein Handyvideo geht derzeit in Afrika viral: Es wurde von einer Dachterrasse in Ugandas Hauptstadt Kampala aufgenommen und zeigt, wie Massenproteste in der Innenstadt gewaltsam von Polizisten aufgelöst werden. Wer genau hinschaut, der entdeckt in der Menschenmenge einen flinken jungen Mann mit einer roten Mütze, der von Polizisten gejagt wird. Er schlägt ein paar Haken zwischen den sich stauenden Fahrzeugen hindurch und springt dann auf ein vorbeifahrendes Motorradtaxi, wie ein Cowboy auf sein Pferd. Unter Jubelschreien der Menge braust das Motorrad mit ihm davon. Die Polizisten mit ihren Schlagstöcken blicken ihm hinterher.

Bei dem Flüchtenden handelt es sich um Ugandas jüngsten Parlamentsabgeordneten, Robert Kyagulanyi, bekannt unter seinem Künstlernamen Bobi Wine. Der 37-jährige Rapstar hat sich 2017 als Abgeordneter ins Parlament wählen lassen und mischt seitdem die Politik in dem ostafrikanischen Land auf. Seine Anhänger nennen ihn "Ghetto-Präsident", weil er in armen Verhältnissen aufgewachsen ist. Im Juli hat er angekündigt, für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2021 kandidieren zu wollen. Hinter ihm steht keine Partei, sondern eine Bewegung junger, frustrierter Ugander, die sich selbst "People Power", übersetzt: die "Volksmacht" nennen. Sprich: Ugandas Jugend will dem 75 Jahre alten Präsidenten Yoweri Museveni die Stirn bieten.

Fast jede Wahl wird von Protesten begleitet. - © apa/afp/Isaac Kasamani
Fast jede Wahl wird von Protesten begleitet. - © apa/afp/Isaac Kasamani

Das Video erinnert an die Comic-Serie "Tom und Jerry". Darin ärgert die kleine Maus Jerry immer wieder Kater Tom. Genervt packt Tom den Hammer aus und zieht der Maus Jerry eine über. Doch Jerry gibt nie auf, den Kater zu ärgern.

Wines Botschaft ertönt in Bars und Nachtclubs

So ungefähr lässt sich die Lage in Uganda derzeit beschreiben. Präsident Museveni ist seit 33 Jahren an der Macht. Als Guerillakämpfer hat er 1986 mit einer Waffe in der Hand und tausenden jungen Kämpfern das Land erobert und die vorherige Diktatur gestürzt. Zu Beginn seiner Amtszeit als selbst ernannter Staatschef galt er als Reformer, der den Diktatoren des Kontinents offen auf den Kopf zusagte, sie seien das Problem, warum Afrika nicht vorankomme. Über 30 Jahre später gehört Museveni nun selbst zu diesen alten Präsidenten, die keine Nachfolge in Aussicht stellen. Heute muss er sich von Bobi Wine anhören, er sei nun der Grund, warum Uganda nicht vorankomme.

Der einstige Freiheitskämpfer Museveni wurde zum Langzeitherrscher. - © AFP, Sumy Sadruni
Der einstige Freiheitskämpfer Museveni wurde zum Langzeitherrscher. - © AFP, Sumy Sadruni

"Wenn Lehrer zu Peinigern werden, wenn Meinungsfreiheit zum Ziel der Unterdrückung wird - dann wird die Opposition unser Standpunkt", rappt der Musiker in seinem Song "Situka", übersetzt: "Lehnt euch auf!". Wine braucht keine politische Bühne, um seine Botschaften unter das Volk zu bekommen. Die eingängigen Beats laufen im Radio, in Bars und den zahlreichen Nachtclubs.