Wien. "Dieser Präsident, dieser Präsident, er muss gehen . . . und er wird gehen", sang Sams’K Le Jah, ein Reggaemusiker aus Burkina Faso. Und er sollte recht behalten: Im Herbst 2014 zwangen Demonstranten Blaise Compaore, der 27 Jahre lang geherrscht hatte, zum Rücktritt, 2015 setzte sich dieser Wandel mit demokratischen Wahlen fort.

Die Situation, die damals in Burkina Faso herrschte, lässt sich mit der im heutigen Uganda vergleichen: Auch in Burkina Faso waren große Teile der Jugend von dem Langzeitherrscher frustriert - wie es derzeit in Uganda mit Präsident Yoweri Museveni der Fall ist. Auch in Burkina Faso waren es Musiker, die dem Frust der Jugend eine Stimme gaben: So gründete dort Sams’K Le Jah gemeinsam mit dem Rapper Serge Bambara alias Smockey die Organisation "Le Balai Citoyen", was sich mit "Bürgerbesen" übersetzen lässt. Diese war eine der Speerspitzen der Massenproteste gegen Compaore. Allerdings gab es einen beträchtlichen Unterschied zu Uganda: Während die Musiker in Burkina Faso sich mehr als Aufklärer und Sprachrohr ansahen und keine politischen Ämter anstrebten, will in Uganda der Rapper Bobi Wine nun selber Präsident werden.

Gestürzt: Omar al-Bashir, der im Sudan seit 1989 herrschte. - © afp/A. Shazly
Gestürzt: Omar al-Bashir, der im Sudan seit 1989 herrschte. - © afp/A. Shazly

Der grundlegende Widerspruch ist in vielen afrikanischen Ländern der gleiche: Alte Machthaber bestimmen über eine enorm junge Bevölkerung. Dass diese Jugend sich dann oft auch noch wegen korrupten, geschlossenen Netzwerken der Elite ihrer Zukunft beraubt sieht, ist immer wieder einer der Hauptgründe für Protestwellen.

Die beiden jüngsten Beispiele sind der Sudan und Algerien. Im Sudan wurde dieses Jahr Omar al-Bashir gestürzt, der seit einem Putsch 1989 geherrscht hatte. Dem 75-Jährigen hatte es auch nichts genutzt, dass sein Sicherheitsapparat brutal gegen die Proteste vorgegangen war und dutzende Tote zu verantworten hatte. Ebenfalls in diesem Jahr musste in Algerien der 82-jährige Abdelaziz Boutefklika wegen Protesten nach 20 Jahren an der Macht als Präsident zurücktreten.

Allerdings reichen Demonstrationen alleine zumeist nicht aus, damit ein Langzeitstaatschef fällt, sondern auch andere Faktoren müssen hinzukommen: Fast jeder Umsturz wird von Rissen innerhalb der Machtelite begleitet. Der eigene Sicherheitsapparat und die eigenen Gefolgsleute lassen dann den einstigen Patron fallen. Entscheidend ist oft auch, ob die internationalen Verbündeten eines Staatschefs zu der Ansicht gelangen, dass sich dieser nicht mehr halten kann - und ihm die Unterstützung entziehen.

Der Abgang eines Staatschefs bedeutet aber noch nicht, dass sich die Machtverhältnisse ändern. Das hat das Beispiel Ägypten gezeigt, wo trotz des Sturzes von Hosni Mubarak, der aus dem Militär kam, die Armee wieder die Zügel in der Hand hält.

Und mancher Langzeitherrscher hat schon viele Gegner kommen und gehen gesehen. So ist Bobbi Wine nicht der erste Oppositionelle, der seine Anhänger in Uganda gegen Museveni mobilisiert. Auch andere haben das schon versucht.