Die europäischen Staaten sollen mehr bezahlen, um die Kosten für Flüchtlinge aus Syrien abzudecken, erklärte US-Präsident Donald Trump nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch im Weißen Haus. "Ich denke, dass Europa offen gesagt zu einem großen Teil dafür zahlen sollte. Derzeit bezahlt ja die Türkei das meiste."

Wegen des seit mehr als acht Jahren andauernden Bürgerkriegs in Syrien habe Millionen Syrer ihr Land verlassen. Die meisten haben sich in Nachbarländer geflüchtet, die meisten davon wiederum mit 3,3 Millionen in die Türkei, gefolgt vom Libanon (mehr als eine Million), Jordanien (655.000) und dem Irak (246.000). Noch mehr Syrer - laut UNHCR 6,6 Millionen - sind im eigenen Land zu Binnenflüchtlingen geworden.

Großartiges Verhältnis inklusive Unmut

"Wir haben eine großartige Beziehung." Das gelte sowohl für ihr persönliches Verhältnis als auch für die Beziehungen beider Länder. Für ihren Streit um den Kauf eines russischen Raketenabwehrsystems vom Typ S-400 fanden beide Seiten keine Lösung. Erdogan äußerte auch Unmut über die jüngste Armenien-Resolution aus dem US-Kongress.

Das Verhältnis zwischen den NATO-Partnern Türkei und USA ist wegen diverser Streitpunkte getrübt. Die türkische Militäroffensive in Nordsyrien vor gut einem Monat hatte die Spannungen noch verschärft.

Die türkische Armee war am 9. Oktober mit verbündeten Rebellen in Nordsyrien einmarschiert, um die Kurdenmiliz YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Die YPG ist der Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Türkei betrachtet die Kurdenmiliz dagegen als Terrororganisation. Trump hatte der Offensive mit einem Abzug der US-Truppen aus dem Grenzgebiet in Nordsyrien den Weg geebnet. Kritiker warfen ihm vor, die YPG so im Stich gelassen zu haben.

Trump sagte dagegen, die Beziehung der USA zu den Kurden sei gut. Auch die vereinbarte Waffenruhe in dem Gebiet halte. Er verstehe die Sorgen der türkischen Regierung mit Blick auf Nordsyrien, betonte Trump und dankte Erdogan für dessen Engagement. Die Türkei habe auch zahlreiche IS-Kämpfer in der Region festgenommen und bewache diese.

Proteste vor dem Weißen Haus