Die Lage in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong spitzt sich weiter zu. Rund um den Campus der Universität schossen Demonstranten am Sonntag Pfeile von Dächern und warfen Molotowcocktails auf Polizisten. Die Polizei setzte daraufhin Wasserwerfer mit gefärbtem Wasser und Tränengas ein.

Laut einer Polizeimitteilung wurde ein Polizist von einem Pfeil ins Bein getroffen und ins Krankenhaus gebracht. In der Nacht blieb es einige Stunden ruhig, die Demonstranten schliefen auf dem Rasen und in der Universitätsbibliothek, bis die Polizei am Vormittag erneut Tränengas einsetzte. Daraufhin warfen die Protestler Benzinbomben, einige zündeten Bäume auf dem Campus an.

In den Onlinenetzwerken riefen Aktivisten außerdem für Montag zu einer "Dämmerungsaktion" auf. "Stehen Sie früh auf, zielen Sie direkt auf das Regime, quetschen Sie die Wirtschaft aus, um den Druck zu erhöhen", hieß es auf einem Plakat, das im Internet kursierte.

Vermummungsverbot ist verfassungswidrig

Das Vermummungsverbot in Hongkong ist nach einem Urteil des Obersten Gerichts "verfassungswidrig". "Die Beschränkungen, die das Verbot für die Grundrechte impliziert, gehen weiter als notwendig", teilte das Oberste Gericht der chinesischen Sonderverwaltungszone mit. Angesichts der Massenproteste hatte die Regierung Hongkongs Anfang Oktober auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und ein Vermummungsverbot verhängt.

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste, die immer häufiger in Gewalt umschlagen. Die Proteste richteten sich zunächst gegen ein geplantes Gesetz, das erstmals auch Auslieferungen nach Festland-China ermöglicht hätte. Inzwischen fordert die Protestbewegung umfassende demokratische Reformen und die Absetzung der pro-chinesischen Regierung.

Nachdem sich die Proteste der Demokratiebewegung zunächst auf Abende und Wochenenden beschränkt hatten und das öffentliche Leben in der Finanzmetropole weitgehend reibungslos weiterlaufen konnte, organisierten die Demonstranten seit Anfang dieser Woche an so vielen Orten wie möglich Proteste und Blockaden und sorgten damit für Chaos.

Es wird darüber spekuliert, ob die Volksrepublik demnächst direkt in der Sonderverwaltungszone eingreift. China hat jedenfalls an diesem Wochenende ein deutliches Zeichen gesetzt:  Entgegen den Bestimmungen für Hongkong hat die chinesische Volksarmee am Samstag ihre Soldaten in der Sonderverwaltungszone auf die Straße geschickt - um beim Aufräumen zu helfen. Dutzende Soldaten in einheitlicher Sportkleidung und mit Bürstenhaarschnitt sammelten nach den jüngsten Anti-Regierungs-Protesten in der ehemaligen britischen Kronkolonie Steine und Trümmer nahe ihrer Kaserne auf.

Beobachter sahen in dem blitzschnellen Einsatz eine "subtile" Machtdemonstration   und ein deutliches Warnsignal an die Demokratiebewgung.