Das staatliche und geistliche Oberhaupt des Iran hat nach den gewaltsamen Protesten die umstrittene Erhöhung der Benzinpreise verteidigt. Der Schritt basiere auf Empfehlungen von Experten und solle beibehalten werden, sagte Ayatollah Ali Khamenei am Sonntag dem Staatsfernsehen zufolge. Er rief aber dazu auf, bei anderen Wirtschaftsgütern von Preissteigerungen möglichst abzusehen. Für Sabotage und Brandstiftungen seien die Feinde des Iran verantwortlich und nicht das eigene Volk.

Bei Protesten war es am Samstag in Teheran und Dutzenden anderen Städten im Land zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Die Polizei setzte laut staatlichem Fernsehen Tränengas ein. Es soll mindestens einen Toten gegeben haben.

Die Regierung in Teheran hatte den Benzinpreis am Freitag um die Hälfte erhöht und den Treibstoff rationiert. Viele Iraner befürchten, dass sich dadurch die Wirtschaftskrise, die durch die harten US-Sanktionen gegen das Land ausgelöst wurde, noch weiter verschlimmert. Die nationale Währung Rial ist schon seit Monaten nur noch die Hälfte wert.

Die Berichterstattung über die Proteste wurde massiv erschwert, weil der Zugang zum Internet stark eingeschränkt war. Nach Angaben des iranischen Telekommunikationsministerium wurde das Internet auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrats für 24 Stunden "limitiert". Die Nichtregierungsorganisation Netblocks, die Blockaden des Internets registriert, schrieb am Samstag auf Twitter, die landesweite Internetnutzung sei binnen etwa einer Stunde auf nur noch sieben Prozent der normalen Nutzung gefallen. Informationen zu den Unruhen in mehreren Städten werden zwar von Augenzeugen per Telefon Medien mitgeteilt, können aber nicht verifiziert werden.

Regierungen meist autoritär regierter Länder haben bereits wiederholt das Internet teilweise oder ganz abgeschaltet, damit sich Demonstranten bei Unruhen nicht absprechen und Bilder von Ausschreitungen und Polizeigewalt nicht verbreitet werden können.

Mit einer staatlichen Benzinkarte können die Iraner nur noch bis zu 60 Liter Benzin im Monat zu einem Literpreis von umgerechnet 12 Cent tanken. Wer mehr tanken will, muss pro Liter dann 24 (Normalbenzin) bis 30 Cent (Super) zahlen - fast das Dreifache des bisherigen Preises. Da die 60 Liter kaum für einen Monat ausreichen, müssen die Iraner nun de facto den neuen, höheren Benzinpreis bezahlen.

Der Benzinpreis gilt im Iran als die "Mutter aller Inflationen", weil nach jeder Preiserhöhung alles teurer wurde. Die Regierung von Präsident Rouhani wollte die Benzinpreise seit längerer Zeit erhöhen, hatte es aber aus Angst vor einer Verschärfung der Inflation - und Protesten - immer wieder verschoben. Die Iraner können und wollen nicht hinnehmen, dass in einem ölreichen Land, das der viertgrößte Ölproduzent der Welt ist, Benzin rationiert und immer teurer wird. (apa, dpa)