Hier, in Yapacani, geht nichts mehr weiter. Eigentlich ist das Dorf ein äußerst wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Bolivien, Aber in Yapacani hat die Mehrheit der Bewohner auch indigene Wurzeln - und tendiert damit zum Lager von Evo Morales, der bis vor kurzem der erst indigene Präsident des Landes gewesen war.

Seit Tagen haben Morales-Unterstützer in Yapacani die Brücke blockiert, die den andinen Regierungssitz La Paz, mit der westlichen Provinz Santa Cruz in der tropischen Ebene verbindet.

Für Autos und Lkw gibt es auf dieser wichtigen Verkehrsachse kein Durchkommen mehr. Lokale Unternehmen klagen über Einnahmeverluste, die Provinzhauptstadt Sierra Cruz de la Sierra, mit einer mehrheitlich weißen Bevölkerung, spürt die Versorgungsengpässe genauso wie auch die Stadt La Paz.

So wie hier in Yapacani, nordwestlich von Sierra Cruz de la Sierra, sieht es an vielen Stellen in Bolivien aus. Gegner und Befürworter des inzwischen nach den umstrittenen Wahlen vom 20. Oktober zurückgetretenen und nach Mexiko ins Exil gegangenen Präsidenten Evo Morales blockieren sich gegenseitig.

Das Misstrauen sitzt tief und es ist keine gesellschaftliche Kraft, keine Persönlichkeit in Sicht, die genug Anerkennung und Integrität hat, um beide Lager wieder versöhnen zu können.

In Yapacani fordern die Aktivisten den Rücktritt der konservativen weißen Übergangspräsidentin Jeanine Añez, die sie für die Gewalt bei Ausschreitungen in Cochabamba vom vergangenen Freitag verantwortlich machen, bei der neun Menschen ums Leben kamen.

Vor allem aber werfen die Demonstranten Añez vor, Symbole der indigenen Kultur, etwa die Wiphala-Flagge, zu diskriminieren. Añez ist in der Vergangenheit mit despektierlichen Kommentaren über Indigene aufgefallen. Sie holen die Politikerin nun ein. In ihrem Übergangskabinett befindet sich kein einziger indigener Politiker. Dabei verfügt Bolivien über den größten indigenen Bevölkerungsanteil in Lateinamerika - mehr als die Hälfte bezeichnet sich als indigen, dazu kommen noch rund 30 Prozent, die sich als Mestizen sehen.

Und im indigenen Teil Boliviens hat Añez schon wenige Tage nach ihrem vom Verfassungsgericht (aber nicht von der Mehrheit des Parlaments) abgesegneten Amtsübernahme ihren Kredit verspielt.

Trotzdem soll sie nun die Neuwahlen organisieren. Mit Unterstützung der EU und der Organisation Amerikanischer Staaten.

Zerstörte Wahlkampfzentrale

Zwei Autostunden entfernt von Yapacani, in der Provinzhauptstadt Santa Cruz, liegt die ehemalige Wahlkampfzentrale der sozialistischen Regierungspartei MAS in Trümmern. "Evo, Tyrann" haben die Gegner des Ex-Präsidenten auf die blaue Mauer des Hauses geschrieben, Vandalen zerstörten das Gebäude auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Morales. Inzwischen ist es leer geräumt, kaputte Lampen hängen von der Decke, vor dem Gebäude liegen verkohlte Balken. Die tropische Hitze tut ihr Übriges: Kakerlaken laufen über den verlassenen Fußboden, Fliegen kümmern sich um Erbrochenes.