Bei den Unruhen in Hongkong liefern sich Aktivisten und Polizei ein Tauziehen um die Belagerung einer Universität. Schätzungsweise rund 100 Studenten hatten sich am Dienstag den dritten Tag in Folge in der von Polizeikräften abgeriegelten Polytechnischen Universität verbarrikadiert.

Regierungschefin Carrie Lam versicherte vor der Presse, die Sicherheitskräfte wollten die Besetzung der Universität friedlich lösen. "Wir sind äußerst besorgt über die gefährliche Situation auf dem Campus", sagte sie.

Lam sah "Demonstranten" und "Aufrührer" am Werk. Die Regierungschefin forderte die Aktivisten auf, die Gewalt zu beenden, ihre Waffen aufzugeben und friedlich das Gelände zu verlassen. Doch die Regierungschefin machte auch deutlich, dass sie dann von der Polizei festgenommen würden. Nur bei den Minderjährigen werde eine Ausnahme gemacht. Von den rund 600 Studenten, die das Universitätsgelände verlassen hätten, seien rund 200 jünger als 18 Jahre alt gewesen.

600 Demonstranten haben das Universitätsgelände verlassen, sie warten hier auf medizinische Versorgung. - © APAweb / Reuters, Thomas Peter
600 Demonstranten haben das Universitätsgelände verlassen, sie warten hier auf medizinische Versorgung. - © APAweb / Reuters, Thomas Peter

"Wir überlegen die ganze Zeit, wie wir entkommen können, aber jedes Mal wenn wir eine Stelle auswählen, sehen wir viele Polizisten in der Nähe", sagte ein 22-Jähriger. "Aber wenn wir aufgeben, sind wir erledigt." Wegen des Vorwurfs des "Aufruhrs" droht ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

Viele Festnahmen

Allein am Montag wurden nach Informationen der "South China Morning Post" rund 1000 Personen auf dem Campus im Stadtviertel Hung Hom und in den umliegenden Straßen festgenommen. Die Universitäten der früheren britischen Kronkolonie hatten sich vergangene Woche zu neuen Brennpunkten der Proteste entwickelt. Daraufhin wurden die Studenten vorzeitig in die Semesterferien geschickt.

Auf dem Campus der Chinesischen Universität (CUHK) seien mehr als 8000 Brandsätze gefunden worden, nachdem sich radikale Kräfte nach viertägigen Auseinandersetzungen mit der Polizei aus der Hochschule zurückgezogen hätten, berichtete die Zeitung. Regierungschefin Lam stellte klar, dass die Polizei die "Aufrührer", die von einer Universität zur anderen zögen, Brandsätze und andere lebensbedrohliche Waffen bauten, strafrechtlich verfolgen werde.

Über Nacht waren zunächst viele der jüngeren Demonstranten von einer vermittelnden Gruppe von Mittelschuldirektoren und prominenten Persönlichkeiten vom Gelände der Polytechnischen Universität geführt worden. Die Minderjährigen konnten nach Hause gehen, nachdem die Polizei ihre Personalien aufgenommen hatten. "Ich habe um eine sehr humanitäre Behandlung dieser Minderjährigen gebeten", sagte Lam.