Herbert Kickl ist eine Kämpfernatur und hat viel Dampf hinter seinen Schlägen: Man werde die "Roten und Schwarzen rupfen und panieren", teilte er beim FPÖ-Parteitag im September dieses Jahres mit. Um sofort nachzusetzen: "Die, die du nicht niederclinchst, in deiner Art (gemeint war FPÖ-Parteichef Norbert Hofer, Anm.), die kriegen von mir eine Gerade oder einen rechten Haken."

Die Ansage war großsprecherisch, das Wahlergebnis niederschmetternd. Immerhin bekamen die Österreicher die einmalige Gelegenheit, sich den blauen Ex-Innenminister in Shorts und Boxhandschuhen vorzustellen. Nun ist die FPÖ angeschlagen. Dass Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos je wieder auf die Beine kommt, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Der amtierende kanadische Premier Justin Trudeau ging da anders zur Sache. 2012 kündigte er Prügel für einen politischen Gegner an - und ließ prompt Taten folgen. Der liberale Politiker, damals noch Abgeordneter, stieg in den Ring und brach seinem Kontrahenten, dem konservativen Senator Patrick Brazeau, das Nasenbein.

Ex-Weltmeister Walujew sitzt heute für Putin im russischen Parlament. - © dpa
Ex-Weltmeister Walujew sitzt heute für Putin im russischen Parlament. - © dpa

Der Kampfverlauf war dramatisch: Brazeau galt als haushoher Favorit, er deckte Trudeau in Runde eins mit Schlägen ein, der drehte in Runde zwei aber den Spieß um. In der dritten Runde hing Trudeaus Gegner wehrlos in den Seilen und der Ringrichter - dieser war kein Politiker - beendete den Kampf. Finanziell war die Sache ein Erfolg, die Börse der beiden Kämpfer wurde für wohltätige Zwecke gespendet.

Politik, so scheint es, hat mit Boxen mehr zu tun, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Schließlich müssen die Volksvertreter nicht nur austeilen, sondern auch einiges einstecken. Wer da ein "Glaskinn" hat, ist für den Job nicht geeignet. Vor entscheidenden Wahlen steigen die Spitzenkandidaten zum TV-Duell in den Ring, es gibt dabei Punktesiege, wie ihn etwa Hillary Clinton bei einer Begegnung 2016 über Donald Trump erringen konnte. Ganz selten geht einer k.o., meistens enden die Begegnungen mit einem Unentschieden. Jeder sieht seinen Favoriten als Sieger vom Platz gehen.

Der kanadische Premier Justin Trudeau hat einem konservativen Widersacher tatsächlich im Ring das Nasenbein gebrochen. - © REUTERS
Der kanadische Premier Justin Trudeau hat einem konservativen Widersacher tatsächlich im Ring das Nasenbein gebrochen. - © REUTERS

Untrainiert geht kein Politiker ins Gefecht. Ein Stab an Trainern kümmert sich um den Kandidaten, er wird auf den Stil des Gegners vorbereitet, wird beschworen, angriffiger zu agieren oder doch lieber öfters die Deckung hochzunehmen, um nicht in den Schlaghagel des Gegners zu rennen. Man wartet auf den Fehler, den es auszunutzen gilt.

Nicht nur, dass Politiker häufig nach Regeln des Boxens handeln. Es hat in der Vergangenheit immer wieder passionierte Boxer in die Politik gezogen. So war US-Präsident Theodore Roosevelt in seinen Studententagen ein begeisterter Faustkämpfer, bis er bei einem Sparring so schwer am Auge verletzt wurde, dass er teilweise erblindete. Box-Weltmeister Vitali Klitschko wechselte in die ukrainische Innenpolitik und schlägt sich nun als Bürgermeister von Kiew mit kommunalpolitischen Streitfragen herum. Auch der umstrittenste slowakische Politiker der jüngeren Geschichte, Wladimir Meciar war einst Amateurboxer.

Der FPÖ-Politiker Herbert Kickl teilt verbal "rechte Haken" aus. - © apa/afp/reuters/dpa
Der FPÖ-Politiker Herbert Kickl teilt verbal "rechte Haken" aus. - © apa/afp/reuters/dpa