Im Irak ist die Lage auch am Tag nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi unsicher. Das Parlament hat zwar am Sonntag nach Monaten blutiger Proteste die Demission des umstrittenen Regierungschefs angenommen, womit eine Forderung der Demonstranten zunächst erfüllt worden war, doch ob das die gewaltsamen Auseinandersetzungen beenden kann, ist fraglich.

Kurz vor Beginn der Parlamentssitzung war in der irakischen Hauptstadt Bagdad erneut ein Demonstrant erschossen worden, wie Ärzte berichteten.

Im ganzen Land fanden aus Solidarität mit den jüngsten Opfern große Trauer- und Protestmärsche statt. Nur wenige Minuten nach Beginn seiner Sitzung billigte das Parlament den Rücktritt Abdel Mahdis und seiner Regierung. Als nächstes will es Präsident Barham Saleh bitten, einen Nachfolger für den 77-jährigen Regierungschef zu bestimmen; bis dahin führen Abdel Mahdi und sein Kabinett vorläufig die Regierungsgeschäfte weiter.

Seit Oktober protestieren die Menschen im Irak gegen die schlechte Versorgungslage und die grassierende Korruption in ihrem Land. Sie fordern eine Regierung ohne Beteiligung der etablierten Parteien, deren Vertretern sie vorwerfen, unfähig und nur am eigenen Vorteil interessiert zu sein.

Iranisches Konsulat in Brand gesetzt

Mehr und mehr richtet sich ihr Ärger auch gegen den wachsenden Einfluss Teherans auf die Politik des Nachbarlands. Er werde so lange demonstrieren, bis auch das Parlament, die Parteien und der Iran aufgeben, sagte ein Demonstrant am Sonntag auf Bagdads Tahrir-Platz.

Am Abend haben Demonstranten dann im Irak das Konsulat des Irans in der Stadt Najaf zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in Brand gesetzt. Die Demonstranten hatten an dem Gebäude bereits am Mittwoch Feuer gelegt. Der Brand am Sonntag war Teil weiterer Unruhen in der im Süden des Landes gelegenen Stadt, berichteten Augenzeugen.

Bei dem Brand am Mittwoch hatten die Sicherheitskräfte neben Tränengas auch scharfe Munition gegen die Protestierenden eingesetzt.

Im Irak kommt es seit Anfang Oktober in mehreren Teilen des Landes zu Massenprotesten gegen die politische Führung. Dabei kamen der vom Parlament gewählten Menschenrechtskommission zufolge mindestens 380 Menschen ums Leben. Menschenrechtsgruppen werfen den Behörden vor, mit übermäßiger Gewalt gegen die Protestler vorgegangen zu sein. (apa/dpa)