"Wiener Zeitung": Das größte Problem, das im Bereich Cybersicherheit auftauchen könnte, wäre ein Cyberkrieg. Als das erste Mal von einem möglichen Krieg über das Internet die Rede war, dachten viele, ein Cyberkrieg wäre im Vergleich zu einem konventionellen Krieg mit Panzern und Raketen keine echte Gefahr - gewissermaßen nur virtuell. Was würde ein Cyberkrieg bedeuten?

Amy Mahn: Ein Cyberkrieg hätte massive Auswirkungen, ganz einfach deshalb, weil so viele Dinge heute mit dem Internet verbunden sind. Unser System hat dadurch viele Schwachstellen, die es früher so nicht gab. Sie können heute von außen die kritische Infrastruktur eines Staates lahmlegen, etwa das Stromnetz. Auch die Wasserversorgung könnte betroffen sein, ebenso alles, was mit unserem Gesundheitssystem zusammenhängt - etwa die Spitäler bis hin zu Herzschrittmachern, die heute auch mit dem Internet verbunden sind. Unsere Infrastruktur ist jedenfalls gefährdet.

Wäre solch ein Cyberkrieg ein erster Schritt in einen konventionellen Krieg oder bliebe es bei Cyberattacken?

Das weiß im Moment noch niemand. Es handelt sich um ein neues Forschungsfeld. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass ein über das Internet geführter Krieg letztlich auch mit konventionellen Waffen geführt wird. Ich hoffe, das wird nie passieren. Aber mit den neuen Technologien wird leider auch eine Art der Kriegführung möglich, die es früher nicht gegeben hat. Umso wichtiger ist es, im Bereich Cybersicherheit zusammenzuarbeiten, um die kritische Infrastruktur in unseren Staaten, die im Falle eines Cyberkrieges sehr verletzlich wäre, zu schützen. Hier ist es für uns auch besonders wichtig, mit der EU und mit Österreich zusammenzuarbeiten. Was wir auch sehr intensiv tun.

Europa hinkt den USA im IT-Bereich hinterher. Ist die EU ausreichend vor Gefahren aus dem Internet geschützt?

Ich denke schon. Wir unterstützen die EU jedenfalls und teilen mit ihr und Österreich unsere Erfahrungen, die wir in den USA sammeln konnten.

Ist die EU nicht auch ein Konkurrent für die USA? Schließlich wurde beispielsweise das Handy von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel abgehört.

Ich kann nur sagen, dass in meinem Arbeitsfeld ein anderes Bild vorherrscht. Die Zusammenarbeit über den Atlantik funktioniert ausgezeichnet.

Die russischen Hacker sind im Westen ein Dauerthema. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Russland als die große Cyberbedrohung wahrgenommen wird? Wo doch die USA im Bereich IT-Technologien weit voraus sind. Ist Russland wirklich eine echte Bedrohung?

Sagen wir so: eine der Bedrohungen. Teile der US-Regierung beschäftigen sich mit diesem Problem. Es geht dabei allerdings nicht nur um Russland, sondern um alle möglichen Bedrohungen aus dem Bereich des Internets, die unsere kritische Infrastruktur betreffen könnten. Etwa auch um Cyber-Terrorismus. Der kann theoretisch von jedem kommen, der einen Internetzugang hat.