Juri Luschkow hatte es als ehemaliger Bürgermeister von Moskau gemeinsam mit seiner Frau Jelena Baturina nicht nur zu einem Milliarden-Vermögen gebracht, er galt lange Zeit auch als einer der mächtigsten Politker Russlands. Am Dienstag starb er 83-jährig in einer Münchner Klinik. Russischen Medienerichten zufolge hatte er sich dort einer Herzoperation unterzogen.
"Mister 10 Prozent"
18 Jahre lang leitete Luschkow ab 1992 die Geschicke der russischen Hauptstadt. Er holte Moskau aus dem (post)sowjetischen Dornröschenschlag und machte sie zu einer der modernsten Millionenmetropolen Europas. Mit gigantischen Großprojekten sorgte Luschkow stets dafür, dass der Bauboom nie wieder abriss. Doch in den knapp zwei Jahrzehnten erreichte auch die Korrpution in der Stadt an der Moskwa eine neue Glanzzeit. Luschkow wurde nachgesagt, Stadtprojekte gerne nach der Höhe heimlicher "finanzieller Zuwendungen" vergeben zu haben, die in die Taschen seiner engsten Vertrauten geflossen sein sollen. Nicht umsonst trug er den Spitznamen "Mr. 10 Prozent".
2010 unterlag er im Machtkampf mit Sobjanin
Wie kein anderer stand er zudem für ein durch und durch von Vetternwirtschaft geprägtes System in der größten Stadt Europas. Immer wieder gab es Kritik, er habe die Metropole mit reichlich Kriminalität und großer Umweltverschmutzung zu einer der teuersten weltweit gemacht.
2010 fiel der glatzköpfige Politiker, der gerne mit einer – angeblich schusssicheren – Schiebermütze auftrat,  beim Kreml in Ungnade. Exakter: Er unterlag einem brutalen Machtkampf, der sich schon Monate vor seiner Demission hinter den Kulissen abgezeichnet hatte und der Luschkow schließlich keinen Ausweg ließ, als seinem "freiwilligen" Rücktritt  zu erklären. Denn zuletzt hatte ihm Wladimir Putin selbst die Unterstützung entsagt. Luschkows Nachfolger wurde Sergej Sobjanin, ein ehemaliger KGBler mit gutem Draht zum Kreml.
Zu Wort meldete sich Luschkow zuletzt vor allem als Präsident des russischen Imkerverbandes.

1991 hatte der 1936 in Moskau geborene Fußball-Fan, der ein Studium für Öl- und Gasindustrie absolviert hatte, während des Putschversuchs gegen den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow an der Seite des russischen Präsidenten Boris Jelzin zu den Organisatoren des Widerstands am Weißen Haus in Moskau gehört. Als Ehemann der einst reichsten Frau Russlands, der Milliardärin Baturina, wusste er als autoritäres Polit-Fossil sowjetischer Prägung stets ein gewaltiges Geschäftsimperium hinter sich. Baturina besaß bis zum Vorjahr ein Luxushotel in Kitzbühel.