Überraschung: Ali G, Borat und Bruno können auch ganz anders, und wie. Ende November nahm der Schauspieler, Regisseur und Komödiant Sacha Baron Cohen einen Preis der Anti-Defamation League (ADL) entgegen. Die traditionsreiche jüdische NGO mit Sitz in New York City, die sich seit knapp über hundert Jahren dem Kampf gegen den Antisemitismus in allen seinen Erscheinungsformen widmet, zeichnete den 48-jährigen Engländer für "seine Vision, seine Vorstellungskraft und seine Kreativität" aus. Eigenschaften, die er zuletzt eindrucksvoll in der Netflix-Miniserie "The Spy" bewies, in der er seinen legendären Namensvetter, den Mossad-Spion Eli Cohen darstellte.

Tatsächlich scheint es, als ob Sacha Baron Cohen auch im richtigen Leben die Komödie hinter sich gelassen und den Ernst der Lage erkannt hat. In seiner Dankesrede ließ er - nicht nur für die zahlreichen Gäste der Preisverleihung überraschend - alle Blödeleien sein, sondern nutzte sie, um auf ein Problem hinzuweisen, dessen volles Ausmaß spätestens seit 2016 klar geworden ist: die extrem problematische Rolle der sozialen Medien im politischen Meinungsbildungsprozess von Wählerinnen und Wählern weltweit, aber vor allem der in den USA und im Vereinigten Königreich.

Die Macht der "Silicon Six"

Daran, welche Leute er in diesem Zusammenhang als Wurzel allen Übels ansieht, ließ Cohen keinen Zweifel: die sogenannten "Silicon Six". Namentlich sind das Facebook-Gründer Mark Zuckerberg; Sundar Pichai, Chef von Google und dem Mutterkonzern Alphabet; die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin; Susan Wojcicki, Vorstandsvorsitzende von Googles Videoplattform YouTube; sowie Jack Dorsey, der Mitbegründer und Chef von Twitter. Gemeinsam bildeten sie laut Cohen "die größte Propagandamaschine der Geschichte", die dabei helfe, "auf der ganzen Welt Hass und Gewalt zu verbreiten (...). Diese superreichen Silicon Six sind mehr darüber besorgt, den Preis ihrer Firmenaktien in die Höhe zu treiben, als darüber, die Demokratie zu beschützen", polterte Cohen.

Nun ist die Kritik - die der Künstler tags darauf in einem Kommentar in der "Washington Post" in Langform darlegte - bei allem Guten, das diese Plattformen bestimmten Teilen der Menschheit antun, angesichts der Faktenlage keine Meinung, sondern eine bloße Tatsachenfeststellung. Den besten Beweis dafür liefern verlässlich die Vereinigten Staaten, die sich bereits mitten im Präsidentschaftswahlkampf befinden. Dem Zeitalter entsprechend werden bis zum Wahltermin am 3. November 2020 Milliarden an Dollars in die Werbung gesteckt werden, und ein Gutteil davon - wenn diesmal nicht sogar der Löwenanteil - wird in den Taschen der "Silicon Six" landen.