Paulo Adario ist seit vielen Jahren Aktivist der Umweltorganisation Greenpeace. Derzeit ist er in Madrid und wirbt bei der Klimakonferenz für einen Schutz der Regenwälder und des Amazonas-Gebietes.

"Wiener Zeitung": Sie sind als Regenwald-Experte für Greenpeace bei der internationalen Klimakonferenz in Madrid. Was sagen Sie dort den Delegierten?

Paulo Adario: Allen muss klar sein, dass das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Temperaturerhöhung zu begrenzen, nur dann möglich ist, wenn wir den Regenwald schützen. Das ist auch Konsens hier in Madrid. Die Regenwälder der Erde - der Amazonas ist das größte Regenwaldgebiet des Planeten - entnehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und die Wälder produzieren Sauerstoff. Dazu kommt der Wasserdampf, der sich wie eine Glocke über den Wald legt und der Luft Feuchtigkeit spendet.

Adario inspiziert bei einem Erkundungsflug Waldschäden. - © T. Seifert
Adario inspiziert bei einem Erkundungsflug Waldschäden. - © T. Seifert

Vor einigen Monaten wüteten heftige Waldbrände im Amazonas. Hat sich die Situation entspannt?

Die Situation ja. Generell: Nein. Es hat sich seit dem Sommer in Brasilien nichts verändert: Die Regenwaldzerstörung, die Ende August nach wirklich eskaliert ist, ist nicht gestoppt, die Landräuber und die Holzmafia werden in der nächsten Saison wieder ihre Brände legen.

Der Ton der brasilianischen Regierung hat sich verändert, noch vor ein paar Wochen hat Präsident Jair Bolsonaro jede Kritik an der Regenwaldzerstörung zurückgewiesen.

Präsident Jair Bolsonaro trifft ein großer Teil der Mitschuld, wenn es um die Zerstörung des Amazonas geht. Denn er hat die Landgrabber und die Tropenholzmafia geradezu eingeladen, zu tun und zu lassen, was sie wollen. Nun kommen aus Brasilia andere Töne. Warum? Die Regierung will Gelder des Klimafonds anzapfen. Man muss sich das vorstellen! Im September hat Bolsonaro gesagt, der Amazonas gehöre Brasilien und sonst niemandem. Und als im November ein offizieller Bericht zu dem Schluss gekommen ist, dass die Regenwaldzerstörung während seiner Präsidentschaft an einem Elf-Jahres-Hoch angelangt ist, sagte er, dass die Brände und die Entwaldung "nie" aufhören würden. "Das ist kulturell bedingt." So wurde er Ende November zitiert. Wie glaubwürdig also das jüngste scheinbare Einlenken? Ich gebe nur ein Beispiel: Bolsonaro wird den Landraub von zehn Millionen Hektar - die Fläche von Belgien mal drei - im Amazonas mit einem Federstrich legalisieren. Wir sprechen da von Land, das bisher in öffentlichem Eigentum war.