Der US-Kongress hat die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg offiziell als Völkermord eingestuft. Der Senat beschloss am Donnerstag einstimmig eine entsprechende Resolution, die bereits im Oktober vom Repräsentantenhaus beschlossen worden war. In den vergangenen Wochen war die Resolution im Senat drei Mal gescheitert.

Die Türkei, die den Begriff Völkermord zurückweist, hatte schon erbost auf die Verabschiedung der Resolution im Repräsentantenhaus reagiert. Das türkische Außenministerium sprach damals von einem "bedeutungslosen politischen Schritt", der sich an die "armenische Lobby und Anti-Türkei-Gruppen" richte. Der Beschluss des Repräsentantenhauses gefährde die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA in Zeiten großer Risiken für die internationale und regionale Sicherheit. Zuletzt hatte die türkische Militäroffensive gegen Kurdenkämpfer in Nordsyrien die Beziehungen zwischen Ankara und Washington stark belastet.

Systematisch verfolgt und ermordet

Als erstes großes europäisches Land hatte Frankreich 2001 die Massaker
an den Armeniern im Osmanischen Reich offiziell als Völkermord
eingestuft. Der Deutsche Bundestag tat dies im Juni 2016, was eine
schwere diplomatische Krise mit der Türkei auslöste.

Die Türkei gesteht zwar den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Krieges zu, weist aber die Einstufung als Völkermord strikt zurück. Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern.