Nordkorea hat am Samstag erneut einen "wichtigen Test" auf seiner umstrittenen Satelliten-Abschussbasis Sohae gemeldet. Dieser sei am späten Freitagabend "erfolgreich" durchgeführt worden, sagte ein Sprecher der nordkoreanischen Verteidigungsakademie nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Die "Forschungserfolge" dienten dazu, die "strategische Nuklearabschreckung" zu stärken.

Was erprobt wurde, blieb zunächst unbekannt. Es war der zweite Test binnen einer Woche. Erst am vergangenen Sonntag hatte Nordkorea von einem "sehr wichtigen Test" an der gleichen Anlage gesprochen. Nach Angaben Südkoreas soll ein Raketenantrieb getestet worden sein. Von der Anlage waren 2012 und 2016 Trägerraketen mit Satelliten gestartet. International wurden die Starts als verschleierte Tests ballistischer Raketen gewertet und scharf verurteilt.

In Südkorea werden der erneute Test und der Hinweis auf die atomare Abschreckung als Zeichen dafür gewertet, dass das abgeschottete Nachbarland den Druck auf die USA erhöhen will. Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte den USA einseitig eine Frist bis zum Jahresende gesetzt. Sollte Washington bis dahin keine neuen Vorschläge zur Belebung der Verhandlungen vorlegen, will Nordkorea einen "neuen Weg" beschreiten. In Südkorea wächst daher die Befürchtung, Nordkorea könnte schon bald den selbst auferlegten Teststopp für Atombomben und militärische Langstreckenraketen aufheben.

Nach dem neuen Test habe das Zentralkomitee der Arbeiterpartei den Rüstungsforschern des Landes sogleich gratuliert, hieß es am Samstag aus Pjöngjang. Nordkorea hatte am Samstag davor bereits einen bedeutenden Test in derselben Anlage an der Westküste durchgeführt. Südkorea geht davon aus, dass dabei ein Raketentriebwerk erprobt wurde. Der erste Test erfolgte, nachdem die nordkoreanische UN-Vertretung in New York Gesprächen mit den USA über eine atomare Abrüstung eine Absage erteilt hatte. Nordkorea hatte in Sohae unter anderem Raketen gestartet, die angeblich einen Satelliten ins All bringen sollten. Die Weltgemeinschaft war von verdeckten Tests mit Langstreckenraketen ausgegangen, die Atomwaffen tragen könnten. Die Raumfahrt- und Langstreckenraketen beruhen weitgehend auf derselben Technik.

Erst vor wenigen Tagen hatte Nordkorea den USA wegen ihrer Kritik im Weltsicherheitsrat an seinen Raketentests eine "feindselige Provokation" vorgeworfen. Die USA hatten am Mittwoch die Hand für Verhandlungen mit Nordkorea ausgestreckt, aber zugleich Druck auf Pjöngjang ausgeübt. Die USA könnten flexibel sein, aber auch Pjöngjang müsse sich bewegen, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft. Die Raketentests bezeichnete sie als "zutiefst kontraproduktiv".

Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea sind seit dem gescheiterten Gipfel im Februar in Vietnam nicht mehr vorangekommen. US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un konnten sich nicht auf einen Fahrplan für die atomare Abrüstung Nordkoreas und die Gegenleistungen einigen. (apa/afp/dpa)