Korrupt, verlogen, würdelos: Führende Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten haben Präsident Donald Trump nach der Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens scharf angegriffen. Ex-Vizepräsident Joe Biden sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) in der sechsten TV-Bewerberdebatte der Demokraten, Trump habe das Präsidentenamt tiefer sinken lassen, als er es jemals für möglich gehalten habe.

"Wir müssen die Integrität des Präsidentenamtes wieder herstellen", sagte Biden. Senatorin Elizabeth Warren bezeichnete Trump als den "korruptesten Präsidenten" der jüngeren US-Geschichte. Senator Bernie Sanders sagte, Trump sei ein "pathologischen Lügner", der das Präsidentenamt "entwürdigt" habe. Die TV-Debatte fand rund 24 Stunden nach der Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens gegen den Präsidenten statt.

Für Biden "verfassungsmäßige Notwendigkeit

Für Biden ist das Impeachment eine "verfassungsmäßige Notwendigkeit". Der Ex-Vizepräsident spielt selbst eine zentrale Rolle in der Ukraine-Affäre: Trump hatte von der Regierung in Kiew Korruptionsermittlungen gegen Biden und dessen Sohn Hunter gefordert, der jahrelang für ein ukrainisches Gasunternehmen gearbeitet hatte. Die Demokraten werfen Trump vor, er habe so Biden beschädigen und seine eigenen Chancen auf eine Wiederwahl 2020 vergrößern wollen.

Bei der Präsidentschaftsdebatte beschränkte sich die Kritik an Trump nicht auf die Ukraine-Affäre. Besonders die Linkspolitiker Warren und Sanders warfen Trump vor, für die Reichen Politik zu machen. Pete Buttigieg, Bürgermeister der Stadt South Bend im Bundesstaat Indiana, warf Trump auch eine verheerende außenpolitische Bilanz vor. Verbündete sähen die USA unter Trump nicht mehr als "verlässlich" an und würden Washington oftmals "ignorieren". 

Debatte um Parteispenden

Hitzig wurde die Debatte beim Thema Wahlkampffinanzierung: Warren warf Buttigieg ein Treffen mit reichen Spendern hinter verschlossenen Türen vor, mit Weinflaschen zum Preis von 900 Dollar. "Wir haben vor Jahren beschlossen, dass nicht reiche Leute hinter verschlossenen Türen den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten auswählen", sagte die Senatorin.

Der so angegriffene Buttigieg entgegnete, er sei der einzige der sieben Teilnehmer der TV-Debatte, der weder Millionär noch Milliardär sei. Warren habe ein "100 Mal größeres Nettovermögen" als er. Niemand sollte moralische "Reinheitstests" fordern, die er selbst nicht bestehen könne. Später geriet der 37-jährige Buttigieg mit Senatorin Klobuchar beim Thema politische Erfahrung aneinander.

Gestritten wurde auch über das Thema Krankenversicherung. Die Frage, wie weit die öffentliche Absicherung ausgebaut werden soll, spaltet die Demokraten. So lieferten sich Biden und Sanders ein heftiges Wortgefecht. Der kämpferische Ton erklärt sich daraus, dass in rund eineinhalb Monaten die Vorwahlen zur Bestimmung des Präsidentschaftskandidaten der Demokraten beginnen. Als erstes wird am 3. Februar im Bundesstaat Iowa gewählt.

In landesweiten Umfragen liegt Biden an der Spitze, gefolgt von Sanders und Warren. Buttigieg liegt an vierter Stelle - in Iowa aber vorne, was ihn zur Zielscheibe von Angriffen macht. Der Sieger der Vorwahlen wird im November 2020 Trump herausfordern.