Moskau zeigt Flagge: Die russische Armee hat ihre erste Einheit mit Hyperschall-Raketen vom Typ Avangard in Betrieb genommen. Laut Verteidigungsminister Sergej Schoigu ist das Raketenregiment seit Freitag funktionsfähig, die Waffen werden im Ural stationiert.

Putin bezeichnete die Avangard-Raketen schon im Juni 2018 stolz als "absolute Waffe": Die Armee hat das System mit einer Reichweite von 4000 Kilometern erstmals im Dezember 2018 getestet. Die Fluggeschwindigkeit wird von Moskau mit Mach 20 angegeben, der 20-fachen Schallgeschwindigkeit. Sogar eine Geschwindigkeit von Mach 27 soll möglich sein - das wären dann mehr als 33.000 Kilometer pro Stunde.

Da das Ziel und die Flughöhe noch im Flug geändert werden können, bezeichnete Putin den Raketentyp als "praktisch unbesiegbar". Er glaube nicht, dass irgendein Land in den kommenden Jahren über eine solche Waffe verfügen werde. "Wir haben sie bereits."

Nach russischen Angaben können die Avangard-Raketen jeden derzeit bestehenden Raketenschild durchbrechen. Im kommenden Jahr sollen die russischen Streitkräfte mit einem weiteren Waffentyp ausgerüstet werden, der von Putin ebenfalls als "unbesiegbar" bezeichnet wurde: Es handelt sich um die Interkontinental-Rakete Sarmat in ihrer fünften Baureihe.

Auch China verfügt über Hyperschallgleiter

Darüber hinaus will Moskau sein Militär künftig verstärkt mit Kampfrobotern und Drohnen ausstatten. Dazu gehörten Aufklärungs- und Angriffsdrohnen sowie Roboter, die "auf dem Schlachtfeld die unterschiedlichsten Aufgaben erfüllen können", wie es aus dem Kreml heißt. Laut Putin müsse bei der Entwicklung vor allem auf künstliche Intelligenz gesetzt werden, in den nächsten Jahren müssten 70 Prozent aller Waffen modern sein.

Moskau betrachtet vor allem das Vorrücken der Nato an seine Westgrenze und die Aufrüstung in den USA mit Sorge. Deshalb fließt wieder deutlich mehr Geld in die Entwicklung neuer Waffensysteme. Zudem ist das russische Militär in mehreren Regionen im Ausland im Einsatz - wie etwa im Bürgerkriegsland Syrien.

Dazu kommt, dass man mit dem Verkauf neuartiger Systeme künftig noch mehr Geld verdienen will. Etwa mit dem Raketenabwehrsystem S-400. Diese Waffe hatte die Türkei unlängst als erstes Nato-Land gekauft und damit die USA verärgert.

Auch China verfügt mittlerweile über Hyperschallgleiter, die bei der großen Militärparade zum 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik präsentiert wurden. Der DL-17 etwa kann fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen und so niedrig fliegen, dass alle Luftabwehrsysteme das Nachsehen haben. Der Gleiter kann mit konventionellen und atomaren Sprengköpfen ausgerüstet werden. Eine Standardrakete startet ihn, doch trennt sich der Gleiter mit einem eigenen Triebwerk bei einer bestimmten Höhe von dem Trägersystem und sucht sich sein Ziel.

Im Oktober präsentierte China auch die Interkontinentalrakete Dong Feng 41 (Ostwind), die Expertenangaben zufolge mit bis zu zehn nuklearen Sprengköpfen bestückt werden in einer halben Stunde die USA erreichen kann. Sie zählt zu den mächtigsten Raketen in der Welt. Die 21 Meter lange Rakete kann von mobilen Startrampen auf Lastwagen oder Zügen sowie aus Silos gestartet werden. Die Zahl der Sprengköpfe im chinesischen Nukleararsenal wird auf 290 geschätzt. Rund 180 bis 190 sollen für landgestützte Raketen sein, während die anderen von Schiffen oder U-Booten sowie von Flugzeugen gestartet werden können.

US-Präsident Donald Trump hat unterdessen per Gesetz eine neue "Space Force" geschaffen, mit der sich die US-Army für einen Konflikt im Weltall rüsten will.