Bei einem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt im Irak ist ein US-Zivilist getötet worden. Mehrere irakische und US-Soldaten seien bei dem Vorfall in Kirkuk im Norden des Landes am Freitagabend verletzt worden, teilte die von den USA angeführte internationale Koalition zum Kampf gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) mit.

Den Angaben zufolge handelte es sich um den schwersten Angriff seit Ende Oktober. "Die Schüsse waren sehr präzise. Der Angriff zielte genau auf das Gebiet ab, in dem sich die Amerikaner befinden, ganz in der Nähe des Sitzungssaals", sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP. Laut irakischer Armee hätte es noch viel mehr Tote geben können, da hochrangige Vertreter der irakischen Polizei sowie der Anti-IS-Koalition dort ursprünglich ein Treffen hätten abhalten wollen, das aber wegen schlechter Wetterverhältnisse verschoben worden sei.

Seit Ende Oktober wurden im Irak mehrere Raketenangriffe auf Anlagen verübt, auf denen US-Soldaten oder US-Diplomaten stationiert sind. Niemand bekannte sich zu den Angriffen, die USA machen proiranische Milizen dafür verantwortlich. Erstmals wurde dabei nun ein US-Bürger getötet. Aus US-Kreisen verlautete, pro-iranische Milizen würden nun als eine größere Bedrohung für US-Soldaten angesehen als die IS-Miliz.

In der Mitteilung der Anti-IS-Koalition hieß es, irakische Sicherheitskräfte hätten Ermittlungen eingeleitet und seien zuständig für eine mögliche Reaktion auf den Angriff. Zu den mutmaßlichen Angreifern äußerte sich die Koalition nicht offiziell. Der Vorfall könnte jedoch zu einer Eskalation in den ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran führen.

Ein Vertreter der US-Behörden sagte der AFP, mindestens 30 Raketen seien auf die Basis abgefeuert worden. Dabei sei auch ein Munitionsdepot getroffen worden, wodurch es weitere Explosionen gegeben habe. Vier weitere nicht abgefeuerte Raketen seien auf einem Lastwagen nahe des Stützpunkts gefunden worden.

 

Irak soll deeskalierende Rolle einnehmen - doch auch intern sind die Fronten verhärtet

Mehrere US-Diplomaten und Militärvertreter zeigten sich zunehmend frustriert über die sich wiederholenden Angriffe. Die USA setzen demnach darauf, dass ihre irakischen Partner eine deeskalierende Rolle zwischen den US-Streitkräften und den schiitischen Hashd-al-Shaabi-Milizen (Volksmobilisierungseinheiten/PMF) spielen. Den Hashd-al-Shaabi-Milizen gehören mehrere paramilitärische, größtenteils pro-iranische Gruppierungen an. Die 2014 für den Kampf gegen den IS gegründeten Milizen unterstehen offiziell der Regierung, doch haben viele ihre Eigenständigkeit bewahrt.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte die Regierung in Bagdad vor wenigen Wochen zum besseren Schutz der Militäranlagen aufgefordert.

Der Irak wird seit Anfang Oktober angesichts einer schweren sozialen Krise von einer beispiellosen Protestwelle erschüttert. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden in den vergangenen Monaten mindestens 460 Menschen getötet und 25.000 verletzt. Unter dem Druck der Demonstranten trat Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi Anfang Dezember zurück, führt die Regierung aber geschäftsführend weiter. Der Iran übt großen Einfluss im Irak aus und versucht, die Bildung einer neuen Regierung zu beeinflussen.