Besinnlich ging es in den Tagen rund um Weihnachten im libyschen Luftraum nicht zu - obwohl eigentlich nur noch wenige Flugzeuge den Flughafen von Tripolis planmäßig anfliegen. Am Rand der Startbahn stehen Flugzeuge, die sich seit Monaten nicht mehr bewegt haben. Das Rollfeld selbst liegt größtenteils verwaist, Raketen haben die Dächer von Hangars durchschlagen, die Trümmer liegen noch herum.

Aber frühmorgens zwischen 5.00 und 8.00 Uhr landeten in den vergangenen Tagen fünf Sonderflüge der Libyan Airlines in Libyen. Dazu mehrere Boeing 747 einer moldawischen Transportfirma. Abflugorte: Ankara, Istanbul und Ostende. Kurz darauf gibt es die ersten Videos syrischer Kämpfer in Libyen.

Der Konflikt am Südrand des Mittelmeers ist längst kein lokaler Bürgerkrieg mehr. Die einzelnen Konfliktparteien - darunter unzählige Milizen - werden schon länger von Ländern wie der Türkei, Italien, Frankreich oder den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. Als der mächtige Feldmarschall Khalifa Haftar im April dieses Jahres seine Truppen aber in Richtung der Hauptstadt Tripolis und der dort ansässigen Einheitsregierung marschieren ließ, nahm der Konflikt eine dramatische Wendung. Wenige Tage bevor eine von den Vereinten Nationen organisierte Konferenz alle Konfliktpartner an einen Tisch bringen sollte, um endlich über eine politische Lösung zu sprechen, schuf der Armeechef aus dem Osten Libyens Fakten - mit Hilfe ausländischer Söldner.

 

Illegale Waffenlieferungen

"Söldner aus dem Sudan, Tschad und Russland spielten bislang vor allem auf Seiten Haftars eine Rolle", sagt der Libyen-Experte Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. "Mit der Entsendung syrischer Milizen als Teil der türkischen Unterstützung sind Söldner jetzt erstmals auch auf Seiten der Gegner Haftars eine nennenswerte Kraft." In einem bisher vertraulichen Bericht von UNO-Experten, den die dpa im November einsehen konnte, kritisiert die Expertengruppe, dass Länder wie die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Jordanien mit illegalen Waffenlieferungen ein bestehendes Waffenembargo unterlaufen würden.

Am Wochenende tauchten erstmals Videos in den sozialen Netzwerken auf. Eine Gruppe Kämpfer behauptet darin in syrischem Dialekt, ein Militärlager von Kämpfern des Generals Haftar eingenommen zu haben. Die Aufnahmen entstanden nachweislich im Süden der Hauptstadt Tripolis, unweit der Frontlinie. Auch wenn die libysche Regierung weiterhin behauptet, die Bilder stammten aus Syrien.