Der Iran hat für den Absturz der ukrainischen Maschine mit 176 Passagieren an Bord Samstagfrüh eine Erklärung geliefert. Die Boeing sei nahe an ein sensibles Militärgelände herangeflogen und für ein "feindliches Flugzeug" gehalten worden, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung des Militärs. Es habe sich um "menschliches Versagen" gehandelt.

Unterdessen haben die iranischen Revolutionsgarden nach Angaben ihres Luftwaffenchefs Amir Ali Hajizadeh für den Abschuss die volle Verantwortung übernommen.  "Ich wünschte, ich könnte sterben und hätte nicht Zeuge eines solchen Unglücks sein müssen", erklärte er in einem Video, das das Staatsfernsehen am Samstag online verbreitete. Die Revolutionsgarden des Iran wollten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur IRNA im Laufe des Tages eine Erklärung des Flugzeugabschusses abliefern und sich entschuldigen.

Die Wracks liegen noch an der Unfallstelle. - © APAweb / afp/Akbar Tavakoli/IRNA
Die Wracks liegen noch an der Unfallstelle. - © APAweb / afp/Akbar Tavakoli/IRNA

"Kein Pilotenfehler"

Die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines hat sich indes erleichtert geäußert über das Eingeständnis der iranischen Streitkräfte, ein Passagierflugzeug der Airline nahe Teheran abgeschossen zu haben. "Wir waren von Anfang an sicher, dass es keine Schuld des Unternehmens wegen eines Pilotenfehlers oder technischer Fehler sein konnte", sagte Firmenchef Jewgeni Dychne am Samstag.Vorwürfe, dass das Unternehmen trotz der Krisensituation weiter Ziele im Iran angeflogen habe, wies Dychne unter Verweis auf den regulären Flughafenbetrieb zurück.

Am Mittwoch war bei Teheran eine Boeing 737 der Gesellschaft kurz nach dem Start von der Luftabwehr der iranischen Revolutionsgarden anscheinend irrtümlich abgeschossen worden. Alle 176 Menschen an Bord kamen ums Leben. Der Flieger war mit rund einer Stunde Verspätung vom Flughafen Teheran in Richtung Kiew gestartet und nach rund fünf Minuten Flugzeit abgestürzt.

Die Europäische Union hat den Iran zu Konsequenzen aus dem versehentlichen Abschuss aufgefordert. "Es müssen angemessene Maßnahmen getroffen werden um sicherzustellen, dass solch ein schrecklicher Unfall nie wieder geschehen kann", erklärte EU-Kommissionssprecher Peter Stano am Samstag in Brüssel.

Notwendigkeit einer Deeskalation

Der britische Premierminister Boris Johnson bezeichnete das Eingeständnis des Iran, versehentlich das ukrainisches Passagierflugzeug abgeschossen zu haben, als "wichtigen ersten Schritt". Die britische Regierung werde alles dafür tun, die Familien der vier britischen Opfer zu unterstützen und sicherzustellen, dass sie Antworten auf ihre Fragen erhielten, erklärte Johnson am Samstag. Zugleich betonte Johnson angesichts des "tragischen Unfalls" rund um den Beschuss von Militärbasen mit US-Soldaten im Irak die Notwendigkeit einer Deeskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Alle Staats- und Regierungschefs sollten nun auf Diplomatie setzen.