Die Ukraine hat Ermittlungen wegen einer möglichen illegalen Überwachung der früheren US-Botschafterin Marie Yovanovitch eingeleitet. Die Polizei wolle feststellen, ob ukrainisches oder internationales Recht zum Schutz von Diplomaten verletzt worden sei, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Gleichzeitig werde nicht ausgeschlossen, dass dies eine "Prahlerei oder eine Falschinformation" in einem informellen Gespräch zweier US-Staatsbürger gewesen sein könnte.

Zuvor hatte die "Washington Post" Chatprotokolle veröffentlicht, aus der offenbar hervorgeht, dass Robert F. Hyde, ein Kongresskandidat der Republikanischen Partei, die ehemalige Botschafterin Yovanovitch abhören und überwachen ließ.

Parallel dazu ermittelt die ukrainische Cyberpolizei in einem weiteren Fall, der damit im Zusammenhang stehen könnte. Dabei gehe es um den angeblichen Versuch eines russischen Geheimdienstes, die Mail-Server des Gasunternehmens Burisma zu hacken.

Sowohl Burisma als auch Yovanovitch spielen in der Ukraine-Affäre eine Rolle, die Ermittlungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump ins Rollen brachte. Der Start des Verfahrens gegen den Präsidenten steht unmittelbar bevor.

Trump wird vorgeworfen, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Telefongespräch unter Druck gesetzt zu haben. Kiew sollte demnach Ermittlungen wegen Korruption gegen den Sohn des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers und Rivalen Trumps, Joe Biden, wieder aufnehmen. Hunter Biden war zwischen 2014 und 2019 Vorstandsmitglied von Burisma.

Die US-Präsidentenwahl ist für November dieses Jahres geplant. Yovanovitch hatte im November unter Eid im US-Kongress ausgesagt, dass Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und der ehemalige ukrainische Generalstaatsanwalt Juri Luzenko mittels einer Schmutzkampagne versucht hätten, sie aus dem Amt zu drängen. (apa,dpa)