"Wiener Zeitung": Sie leisten seit 13 Jahren humanitäre Hilfe in der Stadt Hodeydah. Mitunter machen Sie Ihr Auto zur mobilen Klinik. Erzählen Sie von Ihrer Arbeit.

Ashwaq Moharram: Ich habe im Jahr 2000 angefangen, als Ärztin in Gesundheitszentren zu arbeiten. Die Armut in Hodeydah ist groß. Das Bildungsniveau ist gering. Ich war Freiwillige bei der International Planned Parenthood Federation (IPPF), die mobile Kliniken in der Region hatte. Damals bekam ich eine Vorstellung davon, was die Menschen brauchen. Gab es ein Problem, war jemand krank, wandten sie sich an mich. Das IPPF-Programm war 2003 vorüber, doch ich konnte Hilfsbedürftige nicht abweisen, also machte ich mit meinem eigenen Auto weiter. Schließlich wusste ich, was die Menschen benötigen. Ich brachte ihnen Medikamente und Nahrung. Ich hatte eine Hebamme dabei, manchmal einen Fahrer, oder ich fuhr selbst. Unterernährung, Dehydrierung und Malaria waren ein Problem. Wenn die Menschen ins Spital mussten, brachte ich sie mit meinem Auto.

Ashwaq Moharram, geboren 1975, ist eine jemenitische Ärztin und Aktivistin. Moharram arbeitet seit 20 Jahren als Ärztin und hilft kranken und hungernden in der Hafenstadt Hodeydah. Unterstützt wird sie unter anderem vom Verein "SOS Yemen" (www.sos-yemen.com). privat
Ashwaq Moharram, geboren 1975, ist eine jemenitische Ärztin und Aktivistin. Moharram arbeitet seit 20 Jahren als Ärztin und hilft kranken und hungernden in der Hafenstadt Hodeydah. Unterstützt wird sie unter anderem vom Verein "SOS Yemen" (www.sos-yemen.com). privat

Mittlerweile herrscht Krieg, eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz kämpft seit 2015 gegen die Houthi-Rebellen. Was hat sich seither verändert?

Früher brauchten von hundert Menschen 10 oder 15 meine Hilfe. Mit dem Krieg sind alle auf Hilfe angewiesen. Die meisten Menschen in Hodeydah lebten von der Fischerei. Sie haben ihre Lebensgrundlage verloren. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz fliegt Luftanschläge und verhindert, dass die Fischer hinausfahren können. Bei einem einzigen Schlag wurden kürzlich 55 Fischer getötet. Die Menschen haben kein Einkommen, es gibt keine Arbeit. In Hodeydah sind ganze Familien, Erwachsene und Kinder vom Hungertod bedroht.

Für Kinder ist Unterernährung besonders bedrohlich, weil es sie anfälliger für Krankheiten macht.

Ja. Mittlerweile brauchen alle Menschen Hilfe - auch jene, die früher reich waren. Heute sind in Hodeydah rund 20.000 Menschen am Dengue-Fieber erkrankt, die Todesrate ist sehr hoch. Betroffene brauchen mehrmals am Tag Medikamente, das ist teuer. Ich versuche, so viel wie möglich aus den Krankenhäusern an die Leute zu liefern, aber es reicht nicht. Die Menschen sterben wegen Mangel an Medikamenten.

Wie organisieren Sie Ihre Hilfe?

Seit 2015 bekomme ich Spenden für Nahrungsmittel und Medikamente. Durch den Krieg herrscht überall Mangel. Wir haben zwei Regierungen, eine im Süden und eine im Norden. Der Hafen in Hodeydah wird nicht angefahren, seit Ende 2017 gelangt kaum mehr etwas ins Land.

Hodeydah ist eine der am schlimmsten von der Hungerkrise betroffenen Städte im Jemen. Rund 70 Prozent der Nahrungsmittelimporte kamen über diesen Hafen ins Land. Jetzt kontrollieren die Houthi-Rebellen die Stadt. Stehen Sie in Kontakt mit ihnen?