Beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ist es am Dienstag zum Schlagabtausch zwischen der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump gekommen. Wie zu erwarten prallten zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Trump sah keinen Anlass, sich übertriebene Sorgen um das Weltklima zu machen, während Thunberg vor einer künftigen Katastrophe warnte. Die junge Aktivistin warf Politikern und der Wirtschaft gefährliche Untätigkeit vor – "alle", so Thunberg, hätten versagt.

Trump konterte in seiner Eröffnungsrede: Man müsse "die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen". Es gebe immer "Schwarzseher", die sehen wollten, wie man scheitere. Und der US-Präsident warnte vor "Auguren des Untergangs" und Pessimisten. Diese wären "von gestern".

Tiefe Abneigung

"Sie sagen, wir sollen optimistisch sein", wandte sich Thunberg in ihrer Replik direkt an den US-Präsidenten. "Aber dann: Nichts. Stille. Meine Generation wird nicht ohne Kampf aufgeben". Die 17-Jährige hat in der Vergangenheit des Öfteren tiefe Abneigung gegen Trump erkennen lassen. Ein direktes Gespräch mit dem US-Präsidenten wäre "reine Zeitverschwendung".

Dann holte Thunberg zu einem Rundumschlag gegen die Politik aus. Verschont wurde dabei niemand: "Links, rechts, die Mitte – alle haben versagt." Und: "Unser Haus brennt noch immer. Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an", so Thunberg. Es bringe nichts, auf Technologien zu vertrauen, die noch gar nicht existierten. "Wir wollen nicht, dass diese Dinge bis 2050, 2030 oder selbst 2021 erledigt werden. Wir wollen, dass das jetzt geschieht."

Trump konnte mit dieser Kritik wie auch mit dem offiziellen Motto der Veranstaltung – "nachhaltiger Kapitalismus" – wenig anfangen und reagierte auf seine Weise: "Die Luft in den Vereinigten Staaten war noch nie so sauber", so der US-Präsident, ohne näher auf die Faktenlage einzugehen. "Die Luft, das Klima, das Wasser – alles war vor 40 Jahren noch nicht so rein wie jetzt", schwärmte Trump, der sich in Washington mit einem Amtsenthebungsverfahren konfrontiert sieht. Trump präsentierte eine Initiative, im Rahmen derer in den USA eine Million Bäume gepflanzt würden. "Damit zeigen wir, dass uns unsere Wälder am Herzen liegen."

Trump, der bereits im Wahlkampfmodus ist, nutzte das Forum in dem Schweizer Skiort, um sich und seine Wirtschaftspolitik zu preisen. Man werde nicht zulassen, dass "radikale Sozialisten unsere Freiheit beeinflussen", so der US-Präsident. Amerika wachse und gedeihe, "wir verzeichnen einen ökonomischen Boom, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat".

Vor drei Jahren habe das alles noch ganz anders ausgesehen, "fünf Millionen Amerikaner" seien ohne Arbeit gewesen – und das bei sinkenden Löhnen. Aber: "Seitdem ich im Amt bin, gibt es sieben Millionen mehr Arbeitsplätze in den USA". Die Arbeitslosenrate sei noch nie derartig niedrig gewesen.

"Sonst lieben wir uns"

Abseits davon versicherte Trump, dass die Verhandlungen mit dem Hauptrivalen China über eine zweite Phase des Handelsabkommens bald beginnen würden. Auch hier kamen Superlative zum Einsatz: Die Beziehung der USA zu China sei "niemals besser" gewesen, Präsident Xi trete für die Interessen Chinas ein, er für die der USA. "Sonst lieben wir uns."

US-Finanzminister Steven Mnuchin dämpfte zeitgleich in Washington die Erwartungen an das anvisierte Abkommen. Der "Phase-2"-Vertrag werde nicht notwendigerweise ein "großer Knaller", mit dem umgehend alle bestehenden Zölle gestrichen würden, so Mnuchin in einem Interview mit dem "Wall Street Journal". Womöglich würden die Zölle in mehreren Schritten "der Reihe nach" wegfallen.

Weltweiter Pessimismus

Die Vereinigten Staaten und China haben am vergangenen Mittwoch ein Teilabkommen zur Entschärfung des Handelsstreits unterzeichnet. Der Phase-1-Deal sieht vor, dass China in den nächsten beiden Jahren für zusätzlich mindestens 200 Milliarden Dollar amerikanische Waren kauft, um das riesige Handelsdefizit der Vereinigten Staaten zu verringern. Einige Zölle sollen die USA im Gegenzug reduzieren, andere angedrohte Maßnahmen wurden ausgesetzt. Es bleiben aber Sonderzölle in Kraft, die im Zuge des Konflikts von den beiden führenden Wirtschaftsmächten gegenseitig erhoben wurden.

Was das Wachstum der weltweiten Wirtschaft betrifft, macht sich auch bei den Teilnehmern des Gipfels in Davos Pessimismus breit. Denn mehr als die Hälfte der Top-Manager rechnet mit einem Rückgang des Wachstums, wie eine Umfrage ergab. Weltweit blicken nur 22 Prozent der Wirtschaftskapitäne optimistisch in die Zukunft – in Österreich sind es überhaupt nur 12 Prozent.

Voriges Jahr war die Stimmung ungleich besser gewesen. Da waren noch 42 Prozent der CEO optimistisch gestimmt.
Auch den Wachstumsaussichten ihrer eigenen Unternehmen stehen die Top-Manager nicht allzu positiv gegenüber – in Österreich gibt lediglich ein Drittel der befragten Geschäftsführer an, "sehr zuversichtlich" zu sein, was ihr Umsatzplus für die nächsten zwölf Monate betrifft. Weltweit sind es sogar nur 27 Prozent.