Der britische Premierminister Boris Johnson könnte zuerst mit den USA ein Handelsgespräche führen bevor er mit der Europäischen Union verhandelt, wie die Zeitung "The Telegraph" am Freitag berichtet. Johnson wolle direkt mit den USA sprechen, wenn er im nächsten Monat nach Washington reist, schrieb das Blatt unter Berufung auf US-Diplomaten.

Mit dem näherrückenden Brexit betont Großbritanniens Premier Johnson vermehrt die guten Beziehungen zu den USA. - © APAweb /afp/Tolga Akmen
Mit dem näherrückenden Brexit betont Großbritanniens Premier Johnson vermehrt die guten Beziehungen zu den USA. - © APAweb /afp/Tolga Akmen

Allerdings sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen und britische Minister spielten verschiedene Möglichkeiten durch. Der britische Finanzminister Sajid Javid will das Wachstum in seinem Land nach dem Brexit verdoppeln, wie er am Freitag der "Financial Times" sagte. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft in Großbritannien um etwa 1,3 Prozent. Javid peilt eine Rate von 2,7 bis 2,8 Prozent an.

 

Verhofstadt: "EU mit einer Stimme"

Der Brexit-Beauftragte des Europaparlaments geht nicht davon aus, dass sich die EU-Staaten bei Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit London nach dem Brexit auseinanderdividieren lassen. Das machte Guy Verhofstadt am Freitag in einem Interview mit dem Radiosender BBC 4 deutlich.

"Es gibt seit dem Brexit wirklich ein Gefühl, dass dieses europäische Projekt wichtig ist, dass der Binnenmarkt entscheidend ist, um in der Welt von morgen zu überleben", sagte Verhofstadt. Wenn es eine gute Sache am Brexit gebe, dann, dass der EU-Austritt der Briten als abschreckendes Beispiel auf dem Kontinent gewirkt habe.

Großbritannien wird die EU am 31. Jänner verlassen. Bis Ende des Jahres gilt eine Übergangsphase, während der fast alles beim Alten bleibt. In dieser Zeit wollen beide Seiten ein Abkommen über die künftigen Beziehungen aushandeln.

Zufrieden zeigte sich Verhofstadt über ein Gespräch mit dem britischen Brexit-Minister Stephen Barclay am Donnerstag. Barclay habe ihm versichert, dass EU-Bürger nicht automatisch aus Großbritannien abgeschoben würden, weil sie ihren Antrag auf Bleiberecht nach dem Brexit nicht rechtzeitig gestellt hätten.

In Großbritannien lebende EU-Bürger haben noch bis Ende des Jahres Zeit, um einen Aufenthaltstitel für die Zeit nach dem Brexit zu beantragen. Die Bestätigung ihres Aufenthaltsstatus sollen sie sich künftig laut Verhofstadt auch ausdrucken können. Bisher ist nur eine digitale Bestätigung verfügbar.

In Großbritannien leben Schätzungen zufolge etwa 3,5 Millionen EU-Bürger. 2,7 Millionen haben Regierungsangaben aus London zufolge bereits einen Antrag gestellt. Davon seien 2,45 Millionen bereits bearbeitet und bis auf wenige Ausnahmen auch bewilligt worden.