Am Ende blieben nur noch die Schwächsten der Schwachen im Konzentrationslager Auschwitz zurück: rund 7000 Menschen, "zerlumpt, hinfällig, Skeletten gleich", wie es der italienische Schriftsteller Primo Levi, selbst Häftling in Auschwitz, beschrieb. Das letzte Krematorium war am 26. Jänner 1945 von der SS gesprengt worden, die Häftlinge, die noch gehen konnten, wurden auf Todesmärsche ins Innere des Reiches geschickt. Am 27. Jänner, einem schönen, sonnigen Tag, hörten die Häftlinge Explosionen nicht weit vom Lager. Männer mit Gewehren und einem roten Stern auf der Mütze erschienen. Ein Freudenschrei: "Die Russen! Die Russen!"

Am kommenden Montag jährt sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung jenes deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers, das zum Symbol für den Holocaust, die systematische Ermordung von über fünf Millionen Juden durch das nationalsozialistische Deutsche Reich, wurde. Über eine Million Juden wurden allein in dem - verkehrstechnisch günstig gelegenen - Lagerkomplex nahe dem polnischen Städtchen Oswiecim von den SS-Schergen und ihren Helfern umgebracht.

"Kein weiterer Holocaust"

Video: Internationales Gedenken an Auschwitz-Befreiung

Dass das in den großen Vernichtungslagern wie Auschwitz auf quasi fabriksmäßige Art und Weise geschah, dass die Menschen noch zu einem Zeitpunkt, als die nahende Niederlage des Dritten Reiches absehbar war, in die Gaskammern getrieben und in den Krematorien verbrannt wurden, erschütterte die Weltöffentlichkeit 1945 - und machte das "Nie wieder Auschwitz!" zu einer Art Gründungsmythos der demokratischen Nachkriegswelt.

Allerdings auch zu einem Politikum. Denn Auschwitz ist heute nicht nur eine Erinnerung an eine ferne, schreckliche Zeit - Auschwitz ist immer auch ein Auftrag an die Gegenwart. Das zeigte sich beispielhaft auch wieder an der prominent besetzten internationalen Holocaust-Gedenkveranstaltung, die am Donnerstag in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem stattfand und die die Erinnerung an den Holocaust wachhalten soll. Für den Staat Israel ist Auschwitz eine Mahnung, dass sich Juden nie wieder wehrlos abschlachten lassen sollen. "Wir werden keinen weiteren Holocaust zulassen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei seiner Rede vor dem Welt-Holocaust-Forum in Yad Vashem. "Das jüdische Volk hat die Lektionen des Holocaust gelernt: Wir nehmen die Bedrohungen derjenigen, die uns vernichten wollen, ernst." Wen Netanjahu damit meinte, war klar: den Iran, den er als den "antisemitischsten Staat der Welt" brandmarkte. "Der Iran bedroht die ganze Welt", das Regime in Teheran entwickle Atomwaffen und wolle Israel zerstören. "Ich rufe Sie alle auf: Wir müssen uns dem Iran entgegenstellen."