Die Türkei hat mit einer Gegenoffensive auf die Tötung von vier Soldaten bei einem Angriff der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Idlib reagiert. Bis zu 35 syrische Soldaten seien getötet worden, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Montag. Bei Angriffen auf Stellungen der syrischen Armee seien zudem "mehrere Ziele zerstört" worden. Der Militäreinsatz dauere an.

Die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach hingegen von sechs getöteten syrischen Soldaten und mehr als 20 Verletzten.

Am Samstag waren in Idlib nach Angaben Ankaras vier türkische Soldaten bei einem Artilleriebeschuss der syrischen Armee ums Leben gekommen. Die Soldaten von Machthaber Bashar al-Assad hätten angegriffen, obwohl sie zuvor auf die Stellungen der türkischen Kräfte hingewiesen worden seien, sagte Erdogan in Istanbul. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara wurden am Montag außerdem neun türkische Soldaten verletzt, einer von ihnen schwer. Die türkische Armee verfügt über zwölf Beobachtungsposten in Idlib. Diese waren auf der Grundlage eines im September 2018 geschlossenen Abkommens zwischen Russland, dem wichtigsten Verbündeten Assads, und der Türkei aufgebaut worden.

Die Spannungen hatten sich bereits in der vergangenen Woche zugespitzt, nachdem die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe ihren Vorstoß auf die letzte Rebellen-Region deutlich verstärkt hatte. Ankara drohte daraufhin mit einer neuen Militäroffensive im Nordwesten Syriens, sollte die Lage in Idlib nicht sofort geklärt werden. "Wir werden tun, was nötig ist, wenn jemand unser Territorium bedroht", sagte Erdogan.

Seit Ende Oktober haben Assad Truppen mit Unterstützung der russischen Führung dutzende Städte eingenommen, darunter die wichtige Stadt Maarat al-Numan. Hunderttausende Menschen wurden in die Flucht getrieben. Die Türkei, die bereits 3,6 Millionen Syrer aufgenommen hat, fürchtet deshalb einen weiteren Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nachbarland im Süden.