Seit 24. Jänner zeigt die Weltuntergangsuhr zum ersten Mal seit ihrem Start auf hundert Sekunden vor zwölf. Die symbolische Uhr soll der Weltöffentlichkeit verdeutlichen, wie groß das derzeitige Risiko einer globalen Katastrophe ist. Wissenschaftern zufolge bedrohe neben dem Klimawandel die Gefahr eines Atomkrieges die Welt.

"Alle neun Nuklearstaaten rüsten auf", sagt Thomas Pankratz, Politikwissenschafter am Institut für Strategie und Sicherheitspolitik der Landesverteidigungsakademie in Wien. Dieses neue Wettrüsten sei bereits seit Jahren im Gang. Im August 2019 wurde der INF-Vertrag (Washingtoner Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme) zwischen Russland und den USA außer Kraft gesetzt. Seitdem testen die US-Streitkräfte neue Mittelstreckenwaffen. Als einen Grund für den Ausstieg nennt Pankratz, dass das Abkommen lediglich für Russland und USA die Abrüstung von Mittelstreckensystemen vorsah, während China ungehindert aufrüsten konnte.

Putins Superwaffe

Tatsächlich hat Peking sein Raketenarsenal modernisiert und erweitert. Unter dem Namen Dong Feng, Ostwind, entwickelten die Chinesen neue Waffensysteme. Die Raketen sind nach Osten ausgerichtet; auf den Pazifik, in Richtung Taiwan, Japan und Südkorea. Im Visier sind auch die USA und ihre Stützpunkte in der Region.

Als militärisch brisanter als die Pazifikregion erachtet Pankratz den schwelenden Konflikt zwischen den Atommächten Indien und Pakistan. Beide Staaten investieren vor allem in Kurz- und Mittelstreckenraketen - Waffensysteme, die für den unmittelbaren Gefechtseinsatz gedacht sind. "Kommt es zum offenen Krieg, ist die Gefahr groß, dass wegen der konventionellen militärischen Überlegenheit Indiens die Pakistani als Erste Nuklearwaffen am Gefechtsfeld einsetzen", so der Politikwissenschafter.

Das Aufrüsten der USA und die Expansion der Nato an seine Westgrenze betrachtet Moskau mit Sorge. Deshalb fließt wieder deutlich mehr Geld in die Entwicklung neuer Waffen. Bereits im Sommer 2018 kündigte Russlands Präsident Wladimir Putin die Produktion der "absoluten Waffe" an. Seit Dezember vergangenen Jahres soll sie funktionsfähig sein. Bei Putins Superwaffe handelt es sich um den hypersonischen Gleiter Avangard. Solche Hyperschall-Waffensysteme erreichen ein Vielfaches der Schallgeschwindigkeit und gelten in der militärischen Rüstung neben dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) als die Waffen der Zukunft.

Der Gleiter Avangard wird von einer Trägerrakete in die äußere Atmosphäre befördert, von wo er mit bis zu 20-facher Schallgeschwindigkeit auf die Erde stürzt. Von klassischen Abwehrraketen kann er nicht eingeholt werden. Neben der hohen Geschwindigkeit ist der Gleiter außerdem im Flug lenkbar. "Die USA haben keine Chance das Ding abzufangen", so Pankratz. Als Trägerrakete käme die ebenfalls neu entwickelte Sarmat in Frage. Die Interkontinentalrakete kann bis zu 15 Atomsprengköpfe tragen. Mit ihrer hohen Reichweite ist sie in der Lage, die USA auch über die Südhalbkugel anzufliegen, um damit den nach Norden ausgerichteten Raketen-Abwehrschild der US-Streitkräfte zu umgehen.

Riesige Gefechtsköpfe

Eine weitere Waffe in Putins Arsenal ist die sogenannte Poseidon. Eine Unterwasser-Drohne mit einer Reichweite von 3000 Kilometern und einer Geschwindigkeit von 100 km/h. Bei einer Tauchtiefe von bis zu 1000 Metern kann sie unerkannt gegnerische Küsten erreichen. "Eine reine Vergeltungswaffe", wie Pankratz sagt. Denn entgegen dem Trend, Gefechtsköpfe kleiner zu machen, um dadurch die Zielgenauigkeit zu erhöhen, verfügt die Poseidon über einen Gefechtskopf von zwei Megatonnen. "Damit können ganze Küstengebiete großräumig verstrahlt werden", so der Politikwissenschafter.

Jedes Mal, wenn eine Supermacht eine neue Waffe in Betrieb nimmt, gewinnt das Wettrüsten an Tempo. Bei einem Raketenangriff hatten US- oder russische Staatspräsidenten bisher ein gewisses Zeitfenster (man rechnet mit 20 Minuten), um zu reagieren, so Pankratz. Genug Zeit, um seine eigenen Waffen zum nuklearen Gegenschlag zu starten. Ein wirkungsvoller Erstschlag war unter diesen Bedingungen wenig erfolgversprechend. "Wenn heute eine Rakete gestartet wird, reduziert sich die Zeit bis zum Einschlag auf wenige Minuten." Das führe in den USA zu Überlegungen, autonome Waffensysteme zu installieren, die, sobald sie eine anfliegende Rakete registrieren, den Gegenschlag selbständig starten. Eine Fehlinterpretation durch die KI hätte verheerende Folgen. Verfügt auch der Gegner über ein autonomes System, kann ein automatischer Rückschlag eine tödliche Kettenreaktion auslösen.