Aleppo/Damaskus. Im Kampf um das letzte große syrische Rebellengebiet rund um die nordwestliche Stadt Idlib haben die Regierungstruppen weitere Geländegewinne erzielt. Die Armee habe westlich der Großstadt Aleppo dutzende Dörfer unter Kontrolle gebracht, erklärte ein Sprecher der Militärführung am Montag. Die Streitkräfte würden Rebellengruppen auslöschen, "wo immer sie sich befinden".

Die syrische Armee, die bereits in der vergangenen Woche eine wichtige Versorgungsroute einnehmen konnte, kontrolliert eigenen Angaben zufolge mittlerweile weite Teile der Gebiete um Aleppo. Offenbar wollen die Regierungstruppen und mit ihr verbündete Milizen die Region um Idlib in zwei Gebiete teilen. Sollte ihnen das gelingen, würden sie den Zivilisten den Fluchtweg in Richtung Norden abschneiden, wo türkische Truppen und verbündete Rebellen eine Region an der Grenze kontrollieren.

In dem Gebiet um Idlib, das von der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) dominiert wird, leben nach UNO-Schätzungen rund drei Millionen Menschen. Allein seit Anfang Dezember sind nach UNO-Angaben mehr als 800.000 Menschen vor der Gewalt und den heranrückenden Regierungstruppen geflohen. Helfer beklagen eine katastrophale humanitäre Lage. Es fehlt an Unterkünften, Nahrungsmitteln, Heizmaterial und medizinischer Versorgung. Viele Menschen schlafen trotz Wintertemperaturen in notdürftig errichteten Zelten aus Plastikplanen. In der Vergangenheit waren auch immer wieder Kliniken bombardiert worden. Regierungsgegner werfen Syrien und Russland vor, gezielt lebenswichtige Infrastruktur anzugreifen, um die Menschen zur Aufgabe zu zwingen.

Russland verteidigt Vorgehen

Russland verteidigte am Montag die Offensive an der Seite der syrischen Armee rund um Idlib. Russland bedauere, dass "diese Terroristen" von Idlib aus aktiver geworden seien, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der Agentur Interfax. US-Präsident Donald Trump hatte Moskau zuvor zu mehr Zurückhaltung im Syrien-Konflikt aufgefordert hatte. Russland sollte seine Unterstützung "für die Gräueltaten des Regimes" beenden, erklärte das Weiße Haus nach einem Telefonat Trumps mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Die Türkei hat ihr Engagement in Syrien zuletzt deutlich verstärkt. Ankara und Moskau stehen in dem Konflikt aber auf gegensätzlichen Seiten: Während Russland den syrischen Präsidenten Bachar al-Assad unterstützt, ist die Türkei mit den syrischen Rebellen, die Assad aus dem Amt treiben wollen, verbündet.

In der vergangenen Woche hatte sich die Situation in Idlib gefährlich zugespitzt: Die Türkei warf der syrischen Regierung vor, ihr Militär beschossen und mehrere türkische Soldaten getötet zu haben. Ankara startete daraufhin einen Vergeltungsangriff. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zudem am Mittwoch gedroht, Ankara werde die syrischen Truppen "überall" angreifen, sollten türkische Soldaten zu Schaden kommen.