Es ist ein historisches Abkommen, das die USA und die radikalislamischen Taliban in Doha unterzeichnet haben. Doch die Zweifel sind ebenso groß wie die Hoffnungen: Ein Frieden in Afghanistan und ein Ende des US-Militäreinsatzes in dem Bürgerkriegsland liegen noch in weiter Ferne.

US-Präsident Donald Trump dürfte das Abkommen im Wahljahr 2020 trotzdem ausschlachten: Ein Ende des längsten Krieges der US-Geschichte war eines seiner zentralen Wahlversprechen 2016. Dem Ziel ist er nun zumindest einen großen Schritt näher gekommen.

Trump hat immer wieder versprochen, die "dummen, endlosen Kriege" der USA zu beenden. Der Verfechter des "Amerika zuerst" hat nie verstanden, warum bei Militäreinsätzen in fernen Weltregionen US-Soldaten ihr Leben lassen und Milliarden von Dollar ausgegeben werden sollten.

Früh schon drängte er auf ein Ende des Afghanistan-Engagements. Seine Generäle konnten ihn aber bremsen. Zu groß die Sorge, dass ein übereilter Abzug zu Chaos und einer Rückkehr der Taliban an die Macht führen könnte. Afghanistan soll nicht wieder zu einem Rückzugsort für Terroristen werden - genau deswegen waren die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 überhaupt erst in Afghanistan einmarschiert.

Es folgten mehr als 18 Jahre Krieg und mehr als 1.900 getötete US-Soldaten. Die nun unterzeichnete Vereinbarung sieht vor, dass die USA ihre Truppenpräsenz in Afghanistan in den kommenden Monaten zunächst von derzeit rund 13.000 auf 8600 Soldaten zurückfahren.

Taliban verpflichten sich zu Friedensverhandlungen mit Kabul

Die Taliban geben im Gegenzug Garantien dafür, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekämpfen. Sie verpflichten sich außerdem zu Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung. Die USA kündigten an, dass sie und ihre Verbündeten binnen 14 Monaten all ihre Truppen aus Afghanistan abziehen, sollten sich die Taliban an das Abkommen von Doha halten.

Doch genau das ist Knackpunkt: Innerafghanische Verhandlungen und der Beginn eines echten Friedensprozesses seien "der schwierigste Teil", warnt der Afghanistan-Experte Andrew Watkins von der Denkfabrik International Crisis Group. Wie die schwache Regierung in Kabul und die radikalislamischen Taliban etwa Macht und Sicherheitsverantwortung teilen wollen, ist derzeit vollkommen unklar. Je länger die Gespräche dauern, desto größer die Gefahr, dass neue Gewalt den Verhandlungsprozess zum Platzen bringt.

Hinzu kommt die unvorhersehbare und von 180-Grad-Wendungen geprägte Außenpolitik von Präsident Trump, die nicht gerade vertrauensfördernd wirkt. Im vergangenen September erwog Trump erst, die Taliban zu Friedensgesprächen nach Camp David in die USA einzuladen - und erklärte dann die Verhandlungen mit den Islamisten angesichts anhaltender Anschläge in Afghanistan für "tot".

Im Dezember wurden die Gespräche in der katarischen Hauptstadt Doha wieder aufgenommen. Sie mündeten in einer einwöchigen Teil-Waffenruhe, die weitestgehend eingehalten wurde - eine Art Testlauf für die Unterzeichnung des Abkommens am Samstag.

Die Verlockung für Trump ist groß, vor der Präsidentschaftswahl im November schnell mit dem Abzug der Truppen zu beginnen. "Der Präsident wird einige US-Soldaten abziehen, um zu zeigen, dass er ein Sieger ist, und seine Basis wird applaudieren", sagt Professor Robert Guttman von der Johns Hopkins University.

Doch wie groß die Risiken eines übereilten Truppenabzugs sind, wird gerade wieder in Syrien deutlich. Ein von Trump überraschend angekündigter US-Abzug aus Nordsyrien ermöglichte im vergangenen Herbst eine türkische Militäroffensive gegen Kurdenkämpfer in der Region, stärkte den syrischen Machthaber Bashar al-Assad und das mit ihm verbündete Russland. Die Eskalation in Nordsyrien nach dem Tod von mehr als 30 türkischen Soldaten bei Luftangriffen in dieser Woche zeigt, wie explosiv die Lage dort ist.

Chaos in Afghanistan dürfte Trump im Wahljahr verhindern wollen - denn das käme bei den US-Wählern vermutlich nicht besonders gut an. US-Außenminister Mike Pompeo rief die Taliban in Doha daher schon vorsorglich auf, "ihre Versprechen zu halten". Bei der Zeremonie zur Unterzeichnung des historischen Abkommens fügte er mahnend hinzu: "Ich weiß, es gibt die Versuchung, den Sieg zu erklären, aber einen Sieg wird es für die Afghanen erst geben, wenn sie in Frieden und Wohlstand leben können." (afp/kle)