Mindestens 29 Tote, vielleicht sogar mehr: Das ist die blutige Bilanz eines Anschlags am Freitag in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Zunächst gab es eine Explosion. Dann sei geschossen worden. Laut dem Innenministerium erfolgte der Angriff von einem höher gelegenen Gebäude aus.

Dabei hatten erst am Wochenende die USA mit den islamistischen Taliban in Afghanistan ein historisches Abkommen geschlossen. Es sieht vor, dass sich alle ausländischen Truppen schrittweise aus dem Land zurückziehen. 

Die Taliban hatten vor der Vertragsunterzeichnung ihre Kämpfer dazu aufgerufen, auf alle Angriffe zu verzichten - "um des Glücks der Nation willen".

Mit dem Abzug wäre eine Kernforderung der Taliban erfüllt, die seit vielen Jahren verlangen, dass die ausländischen "Invasoren" das Land verlassen. So sollte der seit 18 Jahren andauernde Krieg in Afghanistan beendet werden.

Und nun sind heute, Freitag, bei einer politischen Kundgebung in der Hauptstadt Kabul mindestens 29 Zivilisten getötet worden. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte am Freitag, unter den Toten seien Frauen und Kinder.

Bei der Kundgebung handelte es sich um eine Gedenkveranstaltung für den vor 25 Jahren verstorbenen schiitischen Milizenführer Abdul Ali Masari, an der auch Regierungsvertreter teilgenommen hatten.

Ein Sprecher der Taliban dementierte auf Twitter umgehend, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Allerdings gab es seither bereits dutzende Taliban-Angriffe, seit der Vertragsunterzeichnung. Bereits am Montag hatte die Miliz nach der Unterzeichnung erklärt, dass die Waffenruhe zum Teil beendet werde und hat neue Angriffe auf die Streitkräfte der Regierung angekündigt. "Die Verringerung der Gewalt" sei "nun vorbei und unsere Operationen werden fortgesetzt wie normal", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid am Montag.

"Greifen keine ausländischen Truppen mehr an", aber die Aktionen gegen die Regierung in Kabul gehen weiter

Dem Abkommen mit den USA entsprechend "werden unsere Mujaheddin keine ausländischen Truppen angreifen, aber unsere Aktionen gegen die Kräfte der Kabuler Regierung werden fortdauern", sagte er.

Die Taliban wollen nämlich erst nach Freilassung ihrer gefangenen Mitstreiter über Frieden im Land mit der Regierung sprechen. "Falls die 5000 Gefangenen (aus den Reihen der Taliban, Anm.) - 100 oder 200 mehr oder weniger spielen keine Rolle - nicht freigelassen werden, gibt es keine inner-afghanischen Gespräche", hatte der Sprecher damals gesagt.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Zahl der Angreifer sei zunächst nicht bekannt. Diese sollen mit Schnellfeuerwaffen auf die Versammlung geschossen haben.

Schon 2019 hatte es einen Anschlag während der damaligen Gedenkveranstaltung gegeben, bei dem zahlreiche Menschen starben. Dazu hatten sich militante Islamisten des IS ("Islamischer Staat") bekannt.