Der Beschluss der italienischen Regierung, die Lombardei und andere norditalienische Provinzen unter Quarantäne zu stellen, löst Protest aus. Die Region Venetien und einige Bürgermeister der betroffenen Städte halten das beschlossene Ein- und Ausreiseverbot als zu strenge Maßnahme. Die Gefahr sei, dass die norditalienische Wirtschaft ganz zum Erliegen komme.

Den Regierungsbeschluss, die venetischen Provinzen Padua, Treviso und Venedig unter Quarantäne zu stellen, bezeichnete die Region Venetien aufgrund der epidemiologischen Zahlen als "übertrieben". Die Zahl der neuen Infektionen rechtfertige nicht eine derart drastische Maßnahme.

Auch der Bürgermeister der piemontesischen Stadt Asti, Maurizio Rasero, meinte, die sanitäre Lage sei in seiner Provinz unter Kontrolle. Der Regierungsbeschluss, die rote Zone auf seine Provinz auszudehnen, sei ungerechtfertigt. Er sei von hunderten Anrufen besorgter Bürger überflutet, die befürchten, nicht mehr die Region verlassen zu können.

Am Sonntag ist die Zahl der Coronavirus-Todesopfer in Italien auf 366 gestiegen, das sind 57 Prozent mehr als am Samstag. Allein in der Region Lombardei wurden seit Samstag 103 Tote registriert. Bei der Zahl der Neuinfizierten wurde ein Anstieg von 26 Prozent auf 6387 gemeldet. Die Zahl der genesenen Patienten stieg um fünf Prozent auf 622.

16 Millionen Menschen von Maßnahmen betroffen

Auf den Facebook-Seiten der von der Maßnahme betroffenen Gemeinden hagelt es mit Kritik von Bürgern, die schwere Einschränkungen im Alltag befürchten. So bangen viele um ihren Job, vor allem im Tourismus, im Kulturbereich und in der Industrie. Auch die Logistik- und Transportbranche befürchtet Einschränkungen wegen der Quarantäne.

Inzwischen wurden am Sonntag Busstationen in der Lombardei von Menschen bestürmt, die in Richtung Mittel- und Süditalien reisen wollen. Sie befürchten, bald die Lombardei nicht mehr verlassen zu können. Auf dem Mailänder Flughafen Linate berichtete das Personal, dass viele Passagiere ihre für nächste Woche geplanten Geschäftsreisen vorverlegt haben. Der Airport Linate dient vor allem Binnenflügen.

16 Millionen Menschen sind von den Regierungsmaßnahmen betroffen. Die Lombardei und 15 Provinzen wurden unter Quarantäne gestellt. Zur roten Sperrzone gehören auch die Wirtschaftsmetropole Mailand und der Touristenmagnet Venedig. Die in Europa beispiellose Quarantäne gilt bis zum 3. April. Ausnahmen bei dem grundsätzlichen Ein- und Ausreiseverbot sind nur aus nachgewiesenen dringenden beruflichen oder familiären Gründen und in gesundheitlichen Notfällen möglich. Das Dekret sieht außerdem ein Verbot aller kulturellen, sportlichen und religiösen Veranstaltungen vor.

Auslandsösterreicher: "schon stressig"

Das Leben in der italienischen Sperrzone ist "zum Teil schon stressig". Das sagte ein Auslandsösterreicher, der in San Colombano al Lambro in der Region Lombardei lebt, am Sonntag zur APA. Die ergriffenen Maßnahmen hält er aber "für richtig". Die Frage sei nur, "wie weit sich die Bevölkerung daran hält".

Der Auslandsösterreicher und seine Frau befinden sich schon seit Tagen, bevor die Sperrzone ausgeweitet wurde "in freiwilliger Quarantäne", wie er am Telefon erzählt. "Wir sind ja umgeben von Risikofaktoren", betonte der Pensionist. Lebensmittel lasse er sich liefern: "Die Zustellung ist ganz gut organisiert."

Betreffend der neuen Vorordnungen sagte der Pensionist, es sei noch nicht ganz klar, was diese bedeuten: "Ob etwa auch Geschäfte zugesperrt werden müssen. Bars sind vorerst bis 18.00 Uhr offen und man muss einen Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten."

Es wäre nun wichtig, dass sich alle an die verordneten Maßnahmen halten, betonte der Pensionist. "Vor allem junge Leute sind sich meiner Meinung nach oft nicht bewusst, was das alle bedeutet." Denn am Anfang habe es - wie derzeit in Österreich - rund 100 Fälle gegeben, "innerhalb von zwei Wochen waren es 5000". (apa)