Die führende US-Demokratin Nancy Pelosi hat Präsident Donald Trump in der Corona-Krise schwere Vorwürfe gemacht. "Sein Leugnen am Anfang war tödlich", sagte die Sprecherin des Repräsentantenhauses am Sonntag im TV-Sender CNN. Die Oppositionspolitikerin warnte davor, wieder in den Normalbetrieb zurückzukehren, und mahnte, dass alles getan werden müsse, um weitere Tote zu verhindern.

"Während der Präsident herumtrödelt, sterben Menschen. Wir müssen einfach jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen." Die USA sind mittlerweile das Land mit den meisten nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen weltweit: die Johns-Hopkins-Universität verzeichnete mehr als 125.000. Mehr als 2200 Menschen starben demnach bereits.

Vom Scherz zum "unsichtbaren Feind"

Trump hatte das Virus noch bis vor einem Monat als einen Scherz abgetan, der den USA nichts anhaben könne. Seither muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die Epidemie das Land wegen verschleppter Vorbereitungen kalt erwischt hat. Experten gehen von einer dramatischen Verschlechterung der Lage aus, bevor man mit einer Beruhigung rechnen kann. Trump ist dazu übergegangen, von einem "unsichtbaren Feind" zu sprechen, der viele Länder der Welt angegriffen habe.

Nancy Pelosi zerriss im Februar das Manuskript von Donald Trumps Rede an die Nation. - © APAweb / AFP, Mark Wilson
Nancy Pelosi zerriss im Februar das Manuskript von Donald Trumps Rede an die Nation. - © APAweb / AFP, Mark Wilson

Im Bundesstaat New York hat bald die Zahl von 1000 Toten erreicht. Im Vergleich zum Vortag seien 237 neue Todesopfer hinzugekommen, sagte Gouverneur Andrew Cuomo am Sonntag. Damit seien in New York nun 965 Menschen an der Krankheit gestorben. Die bekannten Fälle kletterten unterdessen auf mehr als 59.500 - mehr als die Hälfte davon kommen aus der Millionenmetropole New York City. Cuomo lobte das hohe Aufkommen von freiwilligen Helfern - es hätten sich mehr als 76.000 Menschen für die Unterstützung der medizinischen Dienste der Stadt gemeldet.

Weil im Ostküstenstaat mit der gleichnamigen Millionenmetropole die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht auf die Ansteckung weiter Teile der Bevölkerung vorbereitet sind, werden provisorische Kliniken aufgebaut und vorhandene Einrichtungen mit zusätzlichen Betten aufgestockt. Ein Lazarettschiff der Marine soll am Montag in New York ankommen.

Alarmstimmung bei Krankenhäusern

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio hat angesichts knapp werdender medizinischer Ausrüstung in der Corona-Krise Alarm geschlagen. Er könnte den reibungslosen Betrieb der Krankenhäuser nur für eine Woche garantieren, sagte er am Sonntag dem TV-Sender CNN. Dabei gehe es nicht nur um Masken, Schutzkleidung und dringend benötigte Beatmungsgeräte, sondern auch um medizinisches Personal.

Die Ärzte und Pfleger könnten im jetzigen Tempo nicht über Wochen weiterarbeiten und bräuchten Unterstützung. "Hier in New York fühlt es sich wortwörtlich an wie zu Kriegszeiten", sagte de Blasio. Restaurants, Bars, Schulen, Museen und Broadwayshows sind geschlossen. Alle Bürger sind aufgerufen, Zuhause zu bleiben, "nicht lebenswichtige" Einrichtungen und Firmen sind geschlossen.

Allerdings breitet sich das Virus auch in Großstädten wie Chicago und New Orleans rasant aus. (apa, reu, dpa)