Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entgegnet mit Entschiedenheit  US-Präsident Donald Trump und seiner Drohung, ihr die Mittel zu streichen. "Wir sind noch immer in der akuten Phase der Pandemie, daher ist jetzt nicht die Zeit, die Finanzierung zu verringern", sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, am Mittwoch in Genf. Trump hatte der WHO Versagen vorgeworfen und getwittert, sie habe beim Umgang mit der Coronavirus-Pandemie "wirklich Mist gebaut". Er drohte zudem damit, die Beitragszahlungen seines Landes auszusetzen. Die USA haben 2019 mehr als 400 Millionen Dollar gezahlt, so viel wie kein anderer Staat. China steuerte 44 Millionen Dollar bei.


Trump warf der WHO vor, im Kampf gegen eine Ausbreitung des Virus eine "fehlerhafte Empfehlung" abgegeben zu haben. "Zum Glück habe ich frühzeitig ihre Empfehlung zurückgewiesen, unsere Grenze zu China offen zu lassen", twitterte Trump. Die USA hatten Ende Jänner ein Einreiseverbot für Reisende aus China verhängt.

WHO: Sind nicht China-zentriert

Bruce Aylward, ein führender Berater des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus, wies Trumps Kritik zurück, die WHO sei "China-zentriert". Es sei sehr wichtig, mit den Chinesen zusammenzuarbeiten, um den frühen Ausbruch zu verstehen. Das habe mit China im Besonderen nichts zu tun. In der Volksrepublik war das neuartige Coronavirus zuerst bestätigt worden und hat sich von dort aus weltweit verbreitet.

In Europa sind besonders Italien und Spanien betroffen. Die Verbreitung des Virus in Europa sei "sehr besorgniserregend", sagte Kluge. Es sei noch ein langer Weg in diesem Marathon zu gehen. Aylward sagte, es sei noch zu früh, in Spanien von Optimismus zu sprechen. Doch der Ausbruch dort verlangsame sich definitiv. Die Zahl der verstorbenen Corona-Patienten stieg binnen 24 Stunden um 757 auf 14.555. Laut Gesundheitsministerium wurden 6180 neue Ansteckungen registriert. Damit sei bei insgesamt 146.690 Menschen das Virus nachgewiesen worden.

Steile Anstiegskurve in den USA

Mit fast 400.000 sind die weltweit meisten Infektionsfälle in den USA bekannt. Dort wurden am Dienstag mehr als 1800 weitere Tote gemeldet - so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Insgesamt starben mehr als 12.700 Menschen, allein im Bundesstaat New York erlagen binnen 24 Stunden 731 Menschen der vom Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.

Trotz der raschen Ausbreitung des Virus wurden im US-Bundesstaat Wisconsin die Präsidentschaftsvorwahl der Demokraten und die Kommunalwahlen abgehalten. Tausende Menschen standen - im Abstand von fast zwei Metern - stundenlang Schlange, um ihre Stimme abzugeben. Einige Wähler, die per Briefwahl abstimmen wollten, berichteten, sie hätten die angeforderten Unterlagen nie bekommen. So standen sie vor der Entscheidung, in einer Warteschlange ihre Gesundheit zu riskieren oder auf ihr Wahlrecht zu verzichten. Ergebnisse soll es wegen der Briefwahl-Fristen erst am Montag geben. (reuters)