Vor dem 108. Geburtstag seines "ewigen Präsidenten" Kim Il-sung am Mittwoch demonstriert die selbsterklärte Atommacht Nordkorea militärische Stärke. Im Rahmen neuer Waffentests feuerte das Land am Dienstag mehrere mutmaßliche Marschflugkörper von kurzer Reichweite über das offene Meer sowie Raketen von Kampfjets ab, wie der Generalstab in Südkorea mitteilte.

Südkorea werde den Vorfall ebenso wie der US-Geheimdienst untersuchen. Nordkorea hat in den vergangenen Wochen mehrere Militärübungen abgehalten. Dabei waren auch Raketen abgefeuert worden. Solche Tests sind dem abgeschotteten Land aufgrund von UN-Resolutionen verboten. Am Sonntag hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nach Angaben staatlicher Medien einen Luftwaffenstützpunkt besucht und Luftwaffen-Übungen beobachtet. Im März hatte Nordkorea nach dreimonatiger Pause seine Raketentests wieder aufgenommen.

Innerhalb von rund 40 Minuten wurden Dienstag früh (Ortszeit) nach Angaben des südkoreanischen Militärs mehrere Geschoße von der nordkoreanischen Ostküste in der Nähe der Stadt Munchon aus abgefeuert. Dabei habe es sich vermutlich um Lenkflugkörper gehandelt, die gegen Schiffe gerichtet seien. Sie seien etwa 150 Kilometer weit geflogen und dann ins Meer gestürzt, hieß es.

Die oberste Kommandobehörde in Südkorea ging davon aus, dass separat davon bei Militärübungen an der Ostküste nordkoreanische Suchoi-Kampfjets Luft-Boden-Raketen über das Meer abfeuerten. Nähere Details dazu waren zunächst nicht bekannt.

Waffentests an besonderen Tagen

Die kommunistische Führung in Pjöngjang nimmt oftmals wichtige Feiertage wie den Geburtstag des 1994 gestorbenen und als Staatsgründer verehrten Kim Il-sung zum Anlass, militärisch Stärke zu zeigen. Die jüngsten Waffentests erfolgten zudem einen Tag vor der Parlamentswahl im ideologisch verfeindeten Nachbarland Südkorea.

Nordkorea treibt sein Raketenprogramm seit vielen Jahren voran. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden könnten. Deshalb gelten harte internationale Sanktionen.

Daneben entwickelt das isolierte Land weitere Waffensysteme, darunter auch Lenkwaffen. Im Mai des vergangenen Jahres hatte das Land nach eigenen Angaben neben Mehrfach-Raketenwerfersystemen auch taktische Lenkwaffen getestet.

Nordkorea hatte zuletzt Ende März zum vierten Mal in dem Monat Raketentests unternommen. Bei den beiden Flugkörpern, die dabei abgeschossen wurden, handelte es sich nach Einschätzungen aus Südkorea und Japan vermutlich um ballistische Raketen von kurzer Reichweite. Diese werden in große Höhe gefeuert und stürzen dann durch die Erdanziehungskraft zu Boden. Marschflugkörper dagegen fliegen in geringer Höhe und sind ferngesteuert.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hatte zu Jahresbeginn angekündigt, sich nicht mehr an das Moratorium für Atomversuche und Tests von Interkontinentalraketen zu halten.

Atomverhandlungen auf Eis

Die Atomverhandlungen zwischen Pjöngjang und Washington liegen seit einem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump im Februar vergangenen Jahres auf Eis. Das international weitgehend isolierte Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter strikten US- und UN-Sanktionen. Kim hatte nach seinem Moratorium für Atom- und Raketentests vergeblich auf eine Aufhebung von Sanktionen gehofft. (apa, afp, dpa, reuters)