Im Jemen-Konflikt hat die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition die Autonomie-Erklärung von Separatisten in der strategisch wichtigen Hafenstadt Aden zurückgewiesen. Die vor der Erklärung herrschenden Verhältnisse in Aden müssten wieder hergestellt werden, forderte die Koalition in einem am Montag von der staatlichen saudi-arabischen Nachrichtenagentur SPA verbreiteten Statement.

Die Allianz forderte ein Ende aller den Konflikt "eskalierenden" Schritte und die Beachtung eines Abkommens vom November. Damals war eine Machtteilung zwischen den Separatisten und der Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi vereinbart worden. Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung sollten ins das Kabinett einziehen. Im Gegenzug sollten die Separatisten die Kontrolle in Aden abgeben, wohin die Regierung nach ihrer Vertreibung aus der Hauptstadt Sanaa 2015 ins Exil gegangen war. Die Umsetzung dieses Abkommens war in den vergangenen Monaten jedoch ins Stocken geraten.

Autonomie-Erklärung im Süden

Die Separatisten hatten daraufhin am Sonntag in Aden eine eigene Regierung für den Süden des Landes ausgerufen. Sie errichteten nach eigenen Angaben Kontrollposten in "allen Einrichtungen der Regierung" sowie in der Zentralbank und im Hafen.

Die Lage der Hadi-Regierung wird durch die Autonomie-Erklärung des Südens erheblich weiter erschwert. Im Norden des Landes steht sie seit fünf Jahren im Krieg mit schiitischen Houthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Staatschef Hadi hat im Krieg gegen die Houthi-Rebellen, in dem bereits zehntausende Menschen getötet wurden, den Beistand der Militärkoalition unter Führung Riads.

Gemeinsamer Feind: die Houthi-Rebellen

Die Separatisten und die Hadi-Regierung kämpfen im Land eigentlich gemeinsam gegen die schiitischen Houthi-Rebellen. Diese hatten den Jemen 2014 überrannt. Trotz des gemeinsamen Feindes deuteten sich aber zunehmende Brüche im Bündnis an. Schon im Sommer waren Rufe der Separatisten, sich erneut vom Norden abzuspalten, wieder lauter - der Nord- und Südjemen hatten sich erst 1990 zu einem Staat zusammengeschlossen. Die Hadi-Regierung hat in Aden vorübergehend ihren Sitz, seit die Houthis sie aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben.

Warnung für Bürgerkrieg im Bürgerkrieg

Schon vergangenen August wurde der interne Konflikt deutlich, als STC-Einheiten Aden einnahmen und die Regierung von dort vertrieben. Experten warnten seinerzeit vor einem "Bürgerkrieg im Bürgerkrieg". Im November einigten sich beide Seiten zwar auf einen Friedensplan. Danach sollte die Regierung unter anderem zurück nach Aden ziehen und die Separatisten in die regulären Streitkräfte eingegliedert werden.

Beide Seiten warfen sich nun vor, Details des in Riad geschlossenen Abkommens nicht oder nicht zügig genug umgesetzt zu haben. Der STC werde verantwortlich sein für die "gefährlichen und katastrophalen Folgen" der angekündigten Selbstverwaltung von Aden, schrieb der jemenitische Außenminister Mohammed al-Hadrami bei Twitter.

Der Konflikt zeigt auch Brüche im Bündnis aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die 2015 gemeinsam Angriffe gegen die Houthis begannen. Beide Staaten verfolgen unterschiedliche Interessen im Jemen: Saudi-Arabien unterstützt die Hadi-Regierung und will die vom Iran unterstützten Houthis im Nordjemen zurückdrängen, die von dort mit Raketen und Drohnen immer wieder in Saudi-Arabien angreifen. Die Emirate wollen dagegen den Hafen von Aden und den dortigen Wasser- und Handelsweg kontrollieren. Sie unterstützen die Separatisten im Süden. (apa)