Der Wettlauf um Impfstoffe und Arzneien gegen das Coronavirus gewinnt an Fahrt. Auf einer internationalen Geberkonferenz wollen am Montag Regierungen, Pharmaunternehmen und private Stiftungen neue Gelder eintreiben. Schätzungen zufolge fehlen noch einige Milliarden Euro, um im Kampf gegen die Pandemie erfolgreich zu sein.

Die USA setzen verstärkt Hoffnungen auf das Anti-Viren-Medikament Remdesivir der heimischen Firma Gilead. Es wird im Einsatz gegen die Lungenkrankheit Covid-19 noch getestet, darf nun aber in Notfällen bereits zur Behandlung verwendet werden. Auf Einladung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollen zu Beginn der neuen Woche auf der Videokonferenz frische Mittel eingesammelt werden, um medizinische Fortschritte in der Coronakrise zu finanzieren. "Heute fehlen für die Entwicklung eines Impfstoffs noch geschätzt etwa acht Milliarden Euro", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Außerdem gehe es dabei um Medikamente sowie Diagnosemöglichkeiten.

"Die Mittel, die wir mobilisieren, werden eine beispiellose globale Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftern und Regulierungsbehörden, Industrie und Regierungen, internationalen Organisationen, Stiftungen und Vertretern des Gesundheitswesens in Gang setzen", heißt es in einem Gastbeitrag von der Leyens sowie mehrerer europäischer Regierungs- beziehungsweise Staatschefs in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). Neben Merkel haben unter anderem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und dessen norwegische Amtskollegin Erna Solberg unterzeichnet. Sie betonten, ein Impfstoff solle "für alle zugänglich und erschwinglich" sein.

Merkel sagte, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) solle eine Schlüsselrolle zukommen. Mit ihren Äußerungen steht die Kanzlerin im Gegensatz zu US-Präsident Donald Trump, der der WHO Versagen bei der Virusbekämpfung vorwirft und Zahlungen an die Organisation einstellen will. Die USA sind weltweit am stärksten von dem Virusausbruch betroffen und arbeiten mit Hochdruck daran, sich einen Impfstoff zu sichern. Der Regierung in Washington wurde zuletzt etwa ein Interesse an dem Tübinger Impfstoffentwickler Curevac nachgesagt.

USA setzen auf Remdesivir

Als Hoffnungsträger bei der Behandlung der Krankheit gilt in den Vereinigten Staaten das Mittel Remdesivir. Es darf in Notfällen bereits bei Covid-19-Patienten eingesetzt werden, wie die Arzneimittelbehörde FDA entschied. Produzent Gilead hatte jüngst von ermutigenden Testergebnissen gesprochen. Der führende Immunologe und US-Regierungsberater Anthony Fauci sagte, Remdesivir habe einen eindeutigen positiven Effekt auf die Genesungszeit gezeigt.

Auf der Suche nach einem Impfstoff drückt die US-Biotechfirma Moderna aufs Tempo. Sie schloss nun einen zehnjährigen Kooperationsvertrag mit dem Schweizer Pharmazulieferer Lonza. Die ersten Chargen des Mittels mRNA-1273 sollen demnach von Lonzas US-Tochter im Juli produziert werden. Moderna hatte zuletzt eine Geldspritze über 483 Millionen Dollar (rund 444 Millionen Euro) von einer US-Regierungsbehörde erhalten, um die Entwicklung des Impfstoffs voranzutreiben. Diese befindet sich in einem frühen Stadium.

Eine wichtige Rolle für die von der Pandemie betroffenen Staaten sollen auch Corona-Antikörpertests spielen. Damit soll geprüft werden, ob Personen mit dem Virus infiziert waren und nun eine Immunität dagegen ausgebildet haben. Ziel ist, dass mit Hilfe dieser Erkenntnisse besser über Kontaktsperren und Lockerungen entschieden werden kann. Ein Antikörpertest des Schweizer Pharmakonzerns Roche erhielt nach Angaben des Unternehmens eine Notzulassung der US-Behörde FDA. (apa, reuters)