Nach den USA könnte auch in Japan bald das Medikament Remdesivir des US-Pharmaunternehmens Gilead bei der Behandlung der Covid-19-Patienten eingesetzt werden. Ein entsprechender Antrag für eine Genehmigung sei am Montag eingereicht worden, sagt Ministerpräsident Shinzo Abe.

Am Freitag hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA den Einsatz des experimentellen Anti-Viren-Mittels in Notfällen gestattet. Zuvor hatte eine klinische
Studie laut vorläufigen Ergebnissen gezeigt, dass Remdesivir die
Genesungsdauer von Corona-Patienten verkürzt. Laut FDA darf das Mittel
bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt werden, die im Krankenhaus wegen
einer schweren Covid-19-Erkrankung behandelt werden.

Das Medikament war ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt worden und gilt seit längerem als ein Hoffnungsträger in der Coronavirus-Pandemie. In den USA seien die ersten Ergebnisse einer Regierungsstudie sehr ermutigend ausgefallen, sagte der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci.

US-Pharmakonzern will Wirkstoff Remdesivir exportieren

Der Pharmakonzern Gilead Sciences will Remdesivir nun auch in andere Länder exportieren. Sein Unternehmen liege in dieser Frage mit der US-Regierung auf einer Linie, sagte Konzernchef Daniel O'Day am Sonntag dem TV-Sender CBS. Remdesivir solle sowohl den Patienten in den USA als auch Corona-Infizierten in anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden, in denen der Einsatz des Mittels erlaubt werde.

Gilead-Chef O'Day sagte, sein Unternehmen stelle der US-Regierung seinen gesamten Remdesivir-Vorrat von 1,5 Millionen Dosen kostenlos zur Verfügung. Damit könnten 100.000 bis 200.000 Patienten behandelt werden.

Die Regierung in Washington werde über die Verteilung des Mittels in den USA entscheiden und in der kommenden Woche mit der Auslieferung beginnen, kündigte der Gilead-Chef an. In der zweiten Jahreshälfte werde eine deutlich größere Menge des Medikaments zur Verfügung stehen. Die USA sind mit mehr als 66.000 Corona-Toten das am schwersten von der Pandemie betroffene Land weltweit.

Remdesivir, das gespritzt wird, dringt in Viren ein und verhindert damit ihre Vermehrung. Offiziell als Medikament zugelassen ist das Mittel bisher nicht. Die Sondergenehmigung der US-Arzneimittelbehörde erlaubt aber vorläufig den Einsatz im Kampf gegen das Coronavirus.

Im Kampf gegen die Pandemie werden mehrere Medikamente getestet, unter anderem die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin. Außerdem wird mit Hochdruck an Impfstoffen gearbeitet.