Argentinien droht trotz Milliardenhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein neuerlicher Staatsbankrott. Viel Zeit, sich mit den wichtigsten Privatgläubigern auf eine Restrukturierung der Schulden in der Höhe von knapp 66 Milliarden Dollar zu einigen, bleibt Wirtschaftsminister Martin Guzman nicht. Bis Freitag soll ein Deal stehen. Am 22. Mai läuft zudem die Frist aus, die die Gläubiger dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Staat zur Stundung von 500 Millionen Dollar an Zinszahlungen gewährt hatten. Die Verhandlungen laufen, aber sie verlaufen zäh. Am Montag hatten mehrere US-Hedgefonds einem von der Mitte-links-Regierung Mitte April vorgelegten Kompromissvorschlag zur Abwehr der drohenden Staatspleite eine Absage erteilt.

Laut dem Offert von Guzman soll die Bedienung der Zinsen auf die Staatsanleihen in den Jahren 2020 bis 2022 komplett ausgesetzt werden und diese dann bis weit in die 2030er Jahre schrittweise wieder angehoben werden. Dabei sollen die Zinszahlungen insgesamt um knapp zwei Drittel von derzeit im Schnitt sieben auf dann 2,3 Prozent - gekürzt werden, wodurch Argentinien knapp 38 Milliarden Dollar sparen würde. Zudem sollen die Gläubiger über einen sogenannten Schuldenschnitt auf weitere 3,6 Milliarden Dollar verzichten. Ausländische Investoren halten argentinische Anleihen im Volumen von rund 66 Milliarden Dollar.

Am Montag wiesen die drei größten Gläubigergruppen, zu denen unter anderem die Investmentkonzerne Blackrock, Fidelity, Greylock Capital und Ashmore zählen, das Angebot zurück. "Wir können das Umschuldungsangebot nicht annehmen, weil es den Eignern argentinischer Staatsanleihen disproportionale Verluste aufbürdet, die weder gerechtfertigt noch notwendig sind", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Sie seien allerdings zu weiteren Verhandlungen bereit. Andere Gläubiger hatten zuvor schon erklärt, sie seien bereit, ihren Beitrag zu leisten, damit Argentinien einen Ausweg aus der Schuldenkrise finde. Das Land müsse aber zunächst seinen Kurs in der Wirtschaftspolitik skizzieren.

323 Milliarden Dollar Schulden

Guzman sprach von "harter" Überzeugungsarbeit und drängte auf ein rasches Ergebnis. Er habe keine Pläne, die Frist für einen Deal am Freitag zu verlängern, erklärte er am Dienstag gegenüber Reuters. Gerade in Virus-Zeiten könne man nicht weiter 20 Prozent der Staatseinnahmen für Zinszahlungen ausgeben. "Das ist einfach unmöglich", hatte der Minister zuvor bereits in der "Financial Times" geschrieben.

Das wirtschaftlich schwer angeschlagene Land sitzt auf einem Schuldenberg von insgesamt 323 Milliarden Dollar (Stand Ende 2019), die rund 50 Milliarden Dollar miteingerechnet, die das Land dem Internationalen Währungsfonds zurückzahlen muss. Dem IWF ist die Gewährung eines Schuldenerlasses im Gegensatz zu privaten Käufern argentinischer Schuldpapiere untersagt. Die Schuldenlast des einst reichsten Landes Südamerikas hatte die Finanzinstitution jüngst als untragbar bezeichnet und einen "bedeutenden Beitrag der privaten Gläubiger" gefordert. Die Agentur Fitch hatte das Langfrist-Rating für Fremdwährungs-Verbindlichkeiten erst kürzlich auf "C" herabgestuft.

Argentinien, das 2001 schon einmal in die Staatspleite gerutscht war, steckt nicht erst seit der Corona-Krise in veritablen finanziellen und wirtschaftlichen Turbulenzen. Im Vorjahr sackte die Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent ab. Eine andauernde Dürreperiode ließ die Agrarproduktion und somit Exporterlöse einbrechen, zudem verschlechterten sich die Finanzierungsbedingungen wegen steigenden US-Zinsen und der Aufwertung des US-Dollars. Dabei ist das 45 Millionen Einwohnern zählende Land dringend auf Auslandskapital angewiesen.(reuters)