Das chinesische Außenministerium hat einen Gastbeitrag von Botschaftern der EU-Staaten für die chinesische Tageszeitung "China Daily" zensiert. Wie der Auswärtige Dienst der EU am Donnerstag einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte, bestand das Ministerium darauf, dass in dem Text nicht erwähnt wird, dass sich das Coronavirus von China ausgehend in der Welt verbreitet hat.

Gastkommentar der EU-Botschafter in "China Daily". - © Thomas Seifert
Gastkommentar der EU-Botschafter in "China Daily". - © Thomas Seifert

Ein entsprechender Halbsatz musste deswegen aus dem Text gestrichen werden. Man bedauere, dass der Gastkommentar nicht vollständig veröffentlicht worden sei, kommentierte der Auswärtige Dienst der EU. Er räumte allerdings gleichzeitig ein, nicht die Möglichkeit genutzt zu haben, den Text zurückziehen. Grund sei gewesen, dass man mit dem Beitrag für die "China Daily" wichtige Botschaften zu den Prioritäten der EU übermitteln wollte - zum Beispiel zum Thema Klimawandel oder Menschenrechte.

Nach Kritik an der Veröffentlichung des gekürzten Textes wiesen Diplomaten darauf hin, dass die Originalfassung des Gastbeitrags unter anderem auf der Website der deutschen Botschaft in Peking veröffentlicht worden sei.

Im Streit über den Ursprung des Virus verschärft China unterdessen den Ton und bezichtigt US-Außenminister Mike Pompeo der Lüge. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking zeigt sich verwundert, dass Pompeo als Ausgangspunkt ein Labor in Wuhan ausgemacht habe, wo unter Wissenschafter darüber keine Einigkeit herrsche. Pompeo widerspreche sich bei dieser Frage selbst. "Der Grund, warum er sich selbst widerspricht, ist weil er immer eine Lüge erfindet um eine andere Lüge zu verbergen." Washington solle damit aufhören, "China die Schuld zuzuschieben und sich auf die Fakten zurückbesinnen", forderte die Sprecherin (APA/dpa/AFP/Reuters).