Seine Aufgabe ist es, den Ankömmlingen im Bürogebäude Fragen nach ihrer Gesundheit zu stellen. Darüber hinaus stellt er ihnen Tücher für die Desinfektion ihres Handys zur Verfügung und klärt sie darüber auf, in welchen Räumen sie sich in Zeiten von Corona aufhalten dürfen. Dann putzt er die Stiegengeländer. Das wären in etwa die Aufgaben eines Hygiene-Stewards - und dieser Beruf könnte im Kommen sein.

Daran glaubt zumindest die dänische Firma ISS - mit derzeit trotz Corona-Krise noch immer fast 400.000 Beschäftigten einer der größten Dienstleister im Bereich Gebäudebetreuung. "Wir trainieren in der ganzen Welt Hygienestewards, die Arbeitsplätze reinigen und desinfizieren werden und den Leuten Verhaltensregeln näherbringen sollen", sagte CEO Jeff Gravenhorst der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die weltweit operierende US-Firma "Cushman & Wakefield", ein Beratungsunternehmen für Gewerbeimmobilien, hat für Kunden schon das "6 Feet Office" - benannt nach den Abstandsregeln - entworfen. In einem Video auf der Homepage der Firma kann man sehen, dass damit vor allem viele Markierungen gemeint sind, damit die Mitarbeiter genügend Abstand zueinander halten. Dafür sorgt etwa ein Halbkreis, der um jeden Arbeitsplatz gezeichnet wird.

Die Schulöffnungen laufen weltweit ähnlich ab

Das sind nur zwei Beispiele, welche Änderungen die viel beschworene "neue Normalität" mit sich bringen könnte. Firmen entdecken Marktlücken, entwickeln Ideen, Staaten erlassen Vorschriften, wie das Zusammenleben künftig ablaufen soll. Viele Länder führen nach der Zeit des großen Lockdowns nun immer mehr Lockerungen durch - darunter Österreich. Wie der Alltag künftig aussehen wird, ist trotzdem in vielen Bereichen noch unabsehbar. Ein wenig Anschauungsmaterial liefert aber vielleicht - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - ein Blick auf Staaten, in denen bereits mehr öffentliches Leben zugelassen ist oder immer schon war. Wobei freilich die Rahmenbedingungen von Fall zu Fall gänzlich verschieden sind. Das fängt schon bei den unterschiedlichen poltischen Systemen an und reicht bis zu Alltagsgewohnheiten - die sich aber schnell ändern können, wie hierzulande das Tragen von Masken zeigt.

In Europa nehmen etwa die skandinavischen Länder immer wieder eine Sonderstellung ein. Die große Ausnahme ist ohnehin Schweden - ein Staat, der von Anfang an auf mehr Eigenverantwortung setzte und das öffentliche Leben viel weniger zurückfuhr. Aber auch bei den Schulöffnungen waren die Skandinavier teils voraus. Dänemark hat bereits Mitte April die Klassen bis zur 5. Schulstufe wiedereröffnet, auch in Norwegen ging Ende April der Unterricht in Pflichtschulen wieder los. Auf der anderen Seite des Erdballs findet in Fernost schon viel öffentliches Leben statt. Selbst in China ist die Kurve an Neuansteckungen derart abgeflacht, dass den Bürger wieder mehr Bewegungsfreiheit gewährt wird.

Gewisse Grundregeln scheinen überall zu gelten: Dass die Menschen auf Hygiene achten und Abstand halten. Das bringt mit sich, dass sich vor allem in geschlossenen Räumen nicht zu viele Personen auf einmal aufhalten sollen.

Das zeigt sich etwa bei den Schulöffnungen. Ob in Dänemark oder Norwegen, ob in China oder Taiwan, überall gilt die Abstandsregel, weshalb Schüler zumeist auf Einzelplätzen sitzen. Das bedeutet wiederum, dass vielerorts die Zahl der Schüler reduziert werden muss. So hat Dänemark den Weg, den auch Österreich geht, schon zuvor beschritten: Klassen werden in zwei, in Dänemark manchmal auch in drei Gruppen aufgeteilt. Darüber hinaus wird überall darauf geachtet, dass sich die Schüler regelmäßig die Hände waschen und die Klassenräume regelmäßig und intensiv geputzt werden.

In China und Taiwan herrschen teils noch striktere Vorschriften. So berichten lokale Medien von Schulen, in denen den ganzen Tag über Maskenpflicht gilt. Und in Peking müssen Schüler regelmäßig Fieber messen und bei einer Gesundheitsapp einen Fragebogen beantworten, wonach entschieden wird, ob sie die Schule betreten dürfen.

Das sind auch die drei grundlegenden Dinge, die den Alltag mit Corona in Ostasien vielerorts von dem in Europa unterscheidet: Gesichtsmasken werden nach wie vor viel mehr getragen, Apps werden weitflächiger eingesetzt und das Fiebermessen gehört zum öffentlichen Leben.

Mit unter anderem diesen Mitteln hat Taiwan das öffentliche Leben in einem großen Maße aufrechterhalten - so blieben Restaurants oder auch Fitnessstudios weitgehend geöffnet. Dafür befinden sich Wärmekameras, die die Temperatur der Passanten messen, gar in U-Bahn-Stationen. Und durch Tracing-Apps können die letzten Kontakte von Infizierten, von denen es bis Freitag gerade einmal 440 gab, nachvollzogen werden.

Nun will Taiwan gar wieder Zuschauer bei Sportevents zulassen. Seit diesem Freitag dürfen die ersten Fans Matches der höchsten Baseballliga besuchen. Sie müssen aber ihre Temperatur messen lassen und Gesichtsmasken tragen, die Sitze sind mindestens einen Meter voneinander entfernt und die Tickets personalisiert.

Auch in China wurde das öffentliche Leben wieder hochgefahren, Geschäfte sind geöffnet, Büros werden wieder bezogen, selbst der Tourismus kommt in Gang. So waren in den ersten fünf Maitagen, an denen Ferien waren, rund 115 Millionen Reisende innerhalb der Volksrepublik unterwegs. Allerdings wird die Zahl der Besucher von Sehenswürdigkeiten deutlich eingeschränkt. Für die Verbotene Stadt in Peking werden im Vergleich zu vor Corona nur mehr ein Bruchteil der Tickets angeboten.

Rot bedeutet: Ausschluss vom öffentlichen Leben

Allerdings: Ohne Gesundheits-Apps ist derzeit kein Gang in die Öffentlichkeit möglich. Das Betreten von Supermärkten, Restaurants, Hotels oder Einkaufszentren wird nur gestattet, wenn der Code am Handy grün zeigt. Bei wem er rot oder gelb leuchtet, der muss in Quarantäne. Wie dieser Code bestimmt wird, ist unklar - offenbar bearbeiten Algorithmen von den Nutzern beantwortete Fragen und Bewegungsprofile. Menschenrechtler warnen davor, dass dieses System auch nach der Krise beibehalten wird - und die Möglichkeit eröffnet, bei unliebsamen Bürgern die Ampel einfach auf Rot zu stellen.