Seoul. Südkorea hat am Montag mit 35 Fällen den höchsten Anstieg bei den Coronavirus-Neuinfektionen seit über einem Monat gemeldet. Insgesamt 86 Neuansteckungen der vergangenen Tage seien auf das Ausgehviertel Itaewon in der Hauptstadt Seoul zurückzuführen, teilten die Gesundheitsbehörden mit.

Seoul, die benachbarte Provinz Gyeonggi und die nahe gelegene Stadt Incheon ordneten am Wochenende aus Angst vor einer zweiten Infektionswelle die Schließung aller Clubs und Bars an. Am Montag wurden auch in der Stadt Daegu, Epizentrum der ersten Infektionswelle, Lokale dichtgemacht.

Anfangs gingen die Behörden davon aus, dass die Fälle alle auf einen 29-Jährigen zurückgehen, der sich Anfang Mai in fünf Bars und Clubs in Itaewon aufgehalten hatte. Inzwischen gehen die Behörden aber von mehreren Überträgern aus, da die Infizierten verschiedene Clubs an verschiedenen Tagen besucht hatten.

Behörden suchen Tausende Barbesucher

Die Gesundheitsbehörden hätten Mühe, die "tausenden Menschen" aufzuspüren, die in den vergangenen zwei Wochen im Vergnügungsviertel Itaewon Lokale aufsuchten, sagte Regierungschef Chung Sye Kyun. Er rief die Betroffenen auf, sich in Quarantäne zu begeben und so schnell wie möglich testen zu lassen.

Nach einem deutlichen Rückgang der Neuinfektionen hatte Südkorea vergangene Woche die Corona-Beschränkungen gelockert. So durften Versammlungen und Veranstaltungen unter Auflagen wieder stattfinden, auch Museen und Unterhaltungseinrichtungen wurden wieder geöffnet. Angesichts der jüngsten Entwicklungen vertagten die Behörden jedoch die für Mittwoch geplante schrittweise Öffnung der Schulen.

Südkorea war zu Beginn der Pandemie das nach China am zweitstärksten von dem Virusausbruch betroffene Land weltweit. Mit flächendeckenden Tests, Tracing-Apps und einer weitgehend beachteten Kontaktsperre konnte der Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden. Experten warnen jedoch bereits vor einer zweiten Pandemiewelle im Herbst. (AFP)