Inmitten wachsender Spannungen in Nahost hat das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, den Kampf für "die Befreiung Palästinas" zur "islamischen Pflicht" erklärt. "Das Ziel dieses Kampfes ist die Befreiung des gesamten Landes Palästina" wie auch "die Rückkehr aller Palästinenser in ihr Land", sagte Khamenei am Freitag anlässlich des Jerusalem-Tags.

Eines der Hauptziele der USA sei es, "die Präsenz des zionistischen Regimes in der Region zu normalisieren", sagte der Ayatollah in einer Rede, die live vom Staatsfernsehen übertragen wurde, mit Blick auf Israel. "Einige arabische Regierungen in der Region, die die Rolle von US-Marionetten spielen, haben die Vorbedingungen dafür geschaffen", prangerte Khamenei an.

Waffenlieferung aus dem Iran?

Erstmals schien das geistliche Oberhaupt des Iran indirekt zuzugeben, dass sein Land die Palästinenser mit Waffen versorgt. "Jeder muss die Hand des palästinensischen Kämpfers füllen und seinen Rücken stärken", sagte Khamenei. "Wir tun stolz unser Bestes auf diesem Weg." Heute könne der von der radikalislamischen Hamas beherrschte Gazastreifen "aufstehen gegen die Aggression des zionistischen Feindes und gewinnen".

Zuvor hatte Khamenei Israel bereits "Staatsterrorismus" vorgeworfen und dem Land mit "Vernichtung" gedroht. Damit sorgte er international für Empörung.

Khamenei äußerte sich am Freitag anlässlich des sogenannten Al-Quds-Tages. Der Tag soll an die Besetzung Ost-Jerusalems durch Israel während des Sechstagekrieges 1967 erinnern. Al-Quds ist der arabische Name für Jerusalem.

Die Besetzung Palästinas und die Vertreibung von Millionen Menschen von ihrem Land bezeichnete Khamenei in seiner Rede als ein "einzigartiges Verbrechen" in der Weltgeschichte. Gegen die "Verbrecher" der Zionisten in Israel sollte man daher mit Stärke vorgehen und nicht mit Verhandlungen, so der Ayatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Erste Rede seit 30 Jahren am "Israel-Tag"

Der Iran bringt am Jerusalem- oder Al-Quds-Tag traditionell in scharfer Form seine Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck, die sich einer Annexion Ost-Jerusalems durch Israel widersetzen. Khamenei hielt nun aber zum ersten Mal in mehr als 30 Jahren eine Rede anlässlich dieses Tages. Die traditionellen Kundgebungen zum Al-Quds-Tag in der Islamischen Republik wurden zur Eindämmung der Corona-Pandemie dieses Jahr abgesagt.

Der Nahost-Konflikt hat sich unlängst erneut verschärft. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas kündigte am Dienstag alle Abkommen mit Israel und den USA auf. Er reagierte damit auf von den USA unterstützte Pläne des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für eine Annexion der jüdischen Siedlungen und des Jordantals im Westjordanland. (apa,dpa)