Nach einer dreitägigen Waffenruhe am Ende des Fastenmonats Ramadans kommt Afghanistan nicht zur Ruhe: Bei Angriffen wurden mindestens 14 afghanische Sicherheitskräfte getötet, wie Provinzpolitiker am Donnerstag sagten. Zu den Angriffen bekannte sich zunächst niemand, in beiden betroffenen Provinzen sind aber die islamistischen Taliban aktiv.

In der Provinz Parwan nördlich der Hauptstadt Kabul wurden nach Angaben dortiger Politiker sieben Soldaten bei einem Überfall auf einen Kontrollposten getötet. In der umkämpften Westprovinz Farah seien sieben Polizisten bei einem Angriff getötet worden. Bei beiden Attacken sollen Truppen gefangen genommen worden sein.
Am Dienstagabend war eine dreitägige Waffenruhe mit den Taliban ausgelaufen, die wegen der Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan vereinbart worden war. In dieser Zeit fiel die Zahl ziviler Opfer in dem seit Jahren dauernden Konflikt nach Angaben von Afghanistans Unabhängiger Menschenrechtskommission um 80 Prozent im Vergleich zu den in einem solchen Zeitraum sonst üblichen Zahlen.

Nach dem Ende der Waffenruhe flog die afghanische Armee Angriffe im Süden des Landes. Dabei wurden nach Polizeiangaben 18 Aufständische getötet.

Abkommen sieht Gefangenenaustausch vor

Die Waffenruhe zum Ende des Ramadans war die zweite dieser Art in dem 19 Jahre andauernden Konflikt und die erste, die von den Taliban initiiert wurde. Sie wurde von der Freilassung von rund 1.000 Gefangenen durch die Regierung begleitet, auch die Taliban kündigten die Freilassung von Gefangenen an. Auf den Aufruf der Regierung in Kabul, die Feuerpause zu verlängern, gingen die Taliban aber nicht konkret ein.

Die USA und die Taliban hatten sich Ende Februar auf einen Teilabzug der US-Truppen verständigt. Das Abkommen sieht zudem vor, dass bis zu 5.000 gefangene Taliban-Kämpfer und bis zu tausend verschleppte afghanische Soldaten freikommen. Danach sollen innerafghanische Friedensverhandlungen beginnen.
Eine fünfköpfige Delegation der Taliban soll sich in Kabul befinden, um einen Gefangenenaustausch mit der Regierung vorzubereiten, wie Sprecher beider Seiten mitteilten.

Die afghanische Regierung ließ in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben 1.000 inhaftierte Taliban frei, seit dem Abkommen insgesamt 2.000. Die Taliban haben ihrerseits laut Regierung rund 100 Sicherheitskräfte auf freien Fuß gesetzt. (apa, dpa, afp)