Seoul. Aufgrund einer Reihe neuer Corona-Infektionsherde hat Südkorea einen Teil seiner Lockerungen wieder zurückgenommen. In der besonders betroffenen Hauptstadtregion Seoul werden Museen, Parks und Kunstgalerien ab Freitag für zwei Wochen wieder geschlossen. Die Einwohner wurden aufgerufen, auf Restaurant- oder Barbesuche zu verzichten und größere Menschenansammlungen zu meiden. Dagegen werde am Zeitplan für die schrittweise Öffnung der Schulen festgehalten, wie Gesundheitsminister Park Neung-hoo am Donnerstag mitteilte.

Südkorea war zu Beginn der Coronavirus-Pandemie das am zweitstärksten betroffene Land nach China. Durch strikte Abstandsregeln, umfangreiches Testen und das minutiöse und mit Big-Data-Methoden unterstützte Nachverfolgen von Kontakten konnte der Ausbruch aber unter Kontrolle gebracht werden - die Zahl der Neuinfektionen ging deutlich zurück und lag lange Zeit bei weniger als 15 Fällen pro Tag. Ende April wurde auch erstmals keine Neuansteckung innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

Lokal-Tour als Super-Spreader

Vor allem in Europa wurde Südkorea daher schon frühzeitig als Vorbild bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie angesehen, von dessen Erfahrungen und Methoden man sich einiges abschauen kann. Die neuen Infektionsfälle drohen die bisher erzielten Erfolge des knapp 52 Millionen Einwohner zählenden Landes in Südostasien jedoch wieder zunichte zu machen. Die Behörden meldeten am Donnerstag 79 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, so viele wie seit Anfang April nicht mehr. Die Zahl der Gesamtinfektionen stieg auf 11.344.

Im Fokus steht dabei der Ausbruch in einem Logistikzentrum in Bucheon westlich von Seoul, das von der Online-Handelsfirma Coupang betrieben wird und seit Montag geschlossen ist. Mindestens 36 Corona-Infektionen sind laut dem südkoreanischen Zentrum für Seuchenkontrolle KCDC inzwischen auf diesen Ausbruch zurückzuführen.

Davor hatte schon eine Häufung von Infektionsfällen unter Klubbesuchern in Seoul die sozialliberale Regierung von Premier Chung Sye-kyun aufgeschreckt. Angesichts von mindestens 20 Fällen, die unmittelbar auf die Lokaltour eines einzigen Mannes im beliebten Ausgehviertel Itaewon zurückgeführt werden konnten, war der ursprünglich schon für Mitte Mai geplante Schulstart um eine Woche verschoben worden. Laut den Gesundheitsbehörden dürfte nun womöglich auch der Ausbruch in dem Logistikzentrum mit dem mittlerweile mehr als 250 Fälle umfassenden Infektionscluster rund um den Amüsierbezirk von Itaewon in Verbindung stehen.

Entscheidende Wochen

In den beiden kommenden Wochen entscheide es sich, ob es gelingen werde, eine erneute Ausbreitung des Virus in der Metropolregion Seoul zu verhindern, mahnte Gesundheitsminister Park am Donnerstag. Sollte die Zahl der Neuinfektionen an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen bei mehr als 50 Fällen liegen, "werden wir zu den strikten Abstands-Maßnahmen zurückkehren".(rs)