Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd gegen anhaltenden Rassismus und die Benachteiligung Schwarzer ausgesprochen. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, hat unterdessen die Demonstranten nach den erneuten Ausschreitungen in der US-Großstadt Minneapolis eindringlich zum Gewaltverzicht aufgerufen

Für Millionen Amerikaner sei es auch im Jahr 2020 noch "schmerzhaft und zum Verrücktwerden "normal", wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt zu werden", erklärte Obama am Freitag über Twitter. Das sei der Fall im Umgang mit dem Gesundheitssystem, mit der Justiz oder auch nur beim Joggen oder beim Beobachten von Vögeln, erklärte Obama unter Anspielung auf Fälle, die jüngst für Aufsehen gesorgt hatten.

"Das darf in Amerika im Jahr 2020 nicht "normal" sein", sagte Obama, der sich nur noch selten zu aktuellen politischen Themen äußert. Es sei nun die Aufgabe aller Amerikaner, aber insbesondere auch der Sicherheitskräfte, gemeinsam einen neuen Normalzustand zu schaffen, in dem "das Erbe von Fanatismus und Ungleichbehandlung nicht mehr unsere Institutionen oder unsere Herzen vergiftet".

Das Wort "Rassismus" benutzte der Afroamerikaner Obama in seiner Stellungnahme nicht. Er verwandte aber den englischen Begriff "race" (Rasse) sowie den Ausdruck "bigotry" (Fanatismus), der in den USA häufig genutzt wird, um auf das Erbe des Rassismus hinzuweisen.

In Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota war der Afroamerikaner Floyd am Montag infolge eines brutalen Polizeieinsatzes gestorben. Seiher kommt es dort zu Protesten. Der Polizei wird Rassismus vorgeworfen. Der Fall hat in den USA Entsetzen hervorgerufen.

Probleme wie systematischer Rassismus müssten angegangen werden, das könne aber nicht passieren, solange noch "Anarchie auf den Straßen herrscht", sagte Walz am Freitag bei einer Pressekonferenz. Er sagte zu, dass die Justiz das Vorgehen der Polizisten schnell und fair untersuchen werde. Mit Blick auf die afroamerikanische Gemeinde fügte er hinzu, diese wolle er als Weißer, der keine Diskriminierung erfahren habe, nicht bevormunden. Er verstehe, dass Misstrauen gegenüber den Sicherheitskräften auf den Straßen herrsche. "Aber ich bitte Sie, uns zu helfen." Die Straßen müssten wieder zu einem Ort werden, auf denen sich friedliche Demonstranten Gehör verschaffen könnten. (apa)