Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd hat der ehemalige Vizepräsident Joe Biden einen entschlossenen Kampf gegen "systematischen Rassismus" in den USA gefordert. "Durch unser Schweigen, durch unsere Selbstgefälligkeit sind wir Komplizen der Fortsetzung des Kreislaufs der Gewalt", sagte der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten in einer Videobotschaft.

"Leute: Wir müssen aufstehen. Wir müssen uns bewegen. Wir müssen uns ändern." In Anspielung auf die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump fügte Biden hinzu, in einer solchen nationalen Krise brauche Amerika keine "aufwieglerischen Tweets", sondern "wirkliche Führung".

"Es geht hier um die Seele Amerikas"

Die "Ursünde" der Sklaverei und deren Folgen belasteten das Land bis heute. "Wir brauchen eine Führung, die alle an den Tisch bringt, damit wir Maßnahmen anstrengen können, systematischen Rassismus auszumerzen", sagte Biden. Das werde nicht einfach sein. "Aber es geht hier um die Seele Amerikas."

Biden, der unter Barack Obama Vizepräsident war, will Trump bei der Wahl im November ablösen. Er ist bei Afroamerikanern und anderen Minderheiten deutlich beliebter. Für einen Erfolg muss es ihm jedoch auch gelingen, diesen Unterstützerkreis dazu zu bringen, am Wahltag tatsächlich die Stimme abzugeben.

Floyd war am Montag infolge brutaler Behandlung durch Polizeibeamte in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ums Leben gekommen. Die Großstadt und weitere US-Metropolen werden seither von teils gewaltsamen Protesten erschüttert. Demonstranten fordern ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt sowie Gerechtigkeit für Floyd. Trump drohte am Samstag örtlichen Behörden mit dem Einsatz der "unbegrenzten Macht des Militärs". Gouverneure und Bürgermeister müssten "viel härter" vorgehen, sonst werde die Regierung einschreiten. Die Regierung sei bereit, das nötige zu tun, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Dann werde es auch "viele Festnahmen" geben.

Obama fordert neuen Normalzustand

Vor Biden hatte sich der frühere US-Präsident Barack Obama gegen anhaltenden Rassismus und die Benachteiligung Schwarzer ausgesprochen. Für Millionen Amerikaner sei es auch im Jahr 2020 noch "schmerzhaft und zum Verrücktwerden "normal", wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt zu werden", erklärte Obama am Freitag über Twitter. Das sei der Fall im Umgang mit dem Gesundheitssystem, mit der Justiz oder auch nur beim Joggen oder beim Beobachten von Vögeln, erklärte Obama unter Anspielung auf Fälle, die jüngst für Aufsehen gesorgt hatten.

"Das darf in Amerika im Jahr 2020 nicht "normal" sein", sagte Obama, der sich nur noch selten zu aktuellen politischen Themen äußert. Es sei nun die Aufgabe aller Amerikaner, aber insbesondere auch der Sicherheitskräfte, gemeinsam einen neuen Normalzustand zu schaffen, in dem "das Erbe von Fanatismus und Ungleichbehandlung nicht mehr unsere Institutionen oder unsere Herzen vergiftet".

Das Wort "Rassismus" benutzte der Afroamerikaner Obama in seiner Stellungnahme nicht. Er verwandte aber den englischen Begriff "race" (Rasse) sowie den Ausdruck "bigotry" (Fanatismus), der in den USA häufig genutzt wird, um auf das Erbe des Rassismus hinzuweisen. (apa, reu, dpa, afp)