Washington/Moskau. Multilaterale Treffen laufen nicht immer nach dem Geschmack von Donald Trump ab. Besonders die mit den europäischen Verbündeten bereiten dem US-Präsidenten oft Probleme. Das gilt auch für ein Format, das in den letzten Jahren an Bedeutung eingebüßt hat: Die G7, die Gruppe der sieben (einstmals) größten Industrienationen der Welt. In den 1970er Jahren gegründet, erweiterte sich das Forum, das jährlich einen Weltwirtschaftsgipfel abhält, im Jahr 1998 um Russland.

Im März 2014 war die Geschichte der G8 aber schon wieder vorbei: Die Annexion der Krim durch Russland veranlasste die restlichen sieben Staaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA – dazu, Russland wieder aus dem Forum auszuschließen.

 

Südkorea und Australien auf US-Linie

Eine Entscheidung, die Trump revidieren möchte. Am Wochenende schlug er vor, den für Juni geplanten G7-Gipfel, der in diesem Jahr in den USA stattfindet, auf September zu verschieben und auch andere Länder einzuladen: Australien, Indien, Südkorea und eben Russland. Südkoreas Präsident Moon Jae-in erklärte sich bereit, die Einladung Trumps anzunehmen – ebenso wie Australiens Ministerpräsident Scott Morrison. Ein Grund dafür: Australien befürchtet den zunehmenden Einfluss Chinas, ganz wie andere Staaten der Pazifik-Region. Die Eindämmungspolitik der USA gegenüber dem geo- und wirtschaftspolitischen Hauptgegner Peking findet in Canberra Gehör. Und sie ist auch ein Grund, warum sich Trump – für einen US-Präsidenten eher ungewöhnlich – um die Gunst Russlands bemüht.

Trump telefonierte mit Putin

Doch im Kreml zeigt man nach Jahren des Konflikts wenig Lust, auf US-Angebote einzugehen. Zwar betont man die Notwendigkeit des Dialogs. Am Montag hatte Trump mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin telefoniert. Die Lust, mit Peking zu brechen, hält sich an der Moskva aber dann doch in engen Grenzen: Ohne eine Beteiligung Chinas könne ein solches Format kaum eine globale Bedeutung haben, teilte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Dienstag mit. Eine solche Beteiligung Chinas würde aber den US-Intentionen zuwiderlaufen.

"Russland muss seinen Kurs ändern"

In Europa wiederum zeigt man sich von der Idee, Russland wieder in die G7 einzubinden, nicht begeistert. Das Land sei ausgeschlossen, bis es "seinen Kurs ändert", sagte EU-Außenbeauftragter Josep Berrell am Dienstag in Brüssel. "Und das ist bisher nicht geschehen." Als Gastgeberland könnten die USA zwar Einladungen für Gipfeltreffen aussprechen. Sie könnten aber nicht dauerhaft das Format ändern.

Über die Sinnhaftigkeit des G7-Treffens wird schon länger diskutiert. Trump begründete seinen Vorschlag, die Gruppe zu erweitern, am Wochenende vor Journalisten damit, dass sich das Format überholt habe. Er habe nicht das Gefühl, dass die "sehr veraltete Gruppe" der Sieben - USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Japan, Italien und Deutschland - das Geschehen auf der Welt richtig abbilde. Tatsächlich haben sich die Gewichte in der Weltwirtschaft seit den 1970er Jahren deutlich verschoben - allerdings auch zugunsten Chinas, das Trump nicht in der Grußße vertreten sehen will. (leg/apa)