Auf einem Twitter-Account namens "Anonymous Brasil" wurden persönliche Daten des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, von drei seiner Söhne und von verschiedenen Ministern seiner Regierung veröffentlicht. Dies berichteten brasilianische Medien am Montagabend (Ortszeit) übereinstimmend. Das Nutzerkonto wurde von Twitter inzwischen gesperrt.

Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Daten unter anderem um Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Personalausweis-Nummern, Gehalt, Wohnadressen, Kreditwürdigkeit, Zahlungsfähigkeit, Vermögen und Schulden. Auch eine angebliche Tankrechnung im Namen des Präsidenten über 56.160 Reais (9333,25 Euro) aus dem Februar soll darunter sein. Justizminister André Mendonça schrieb am Dienstag auf Twitter, er habe veranlasst, dass eine Untersuchung der Veröffentlichungen durch die Bundespolizei eröffnet werde.

Das Vorgehen, möglichst viele private Informationen wie Telefonnummern und Adressen, in manchen Fällen auch Kreditkartennummern oder Scans von Ausweisdokumenten illegal abzufischen und online zu stellen, wird "Doxxing" genannt. Die Betroffenen sollen im Netz vorgeführt werden. Außerdem wollen die Täter einen Missbrauch der Daten ermöglichen.

"Doxxing" führt Personen vor

Auf dem Twitter-Account war seit Oktober 2018 nichts mehr veröffentlicht worden. Am Sonntag waren Anhänger Bolsonaros bei den regelmäßigen Demonstrationen gegen das Oberste Gericht, den Kongress und die Anti-Corona-Maßnahmen auf starken Widerstand von Gegendemonstranten gestoßen. Am selben Tag kündigte "Anonymous Brasil" an, man wolle jetzt wieder aktiv werden und sich "gegen jede polizeiliche Repression" wenden.

Angesichts immer rasanter steigender Corona-Zahlen sowie wiederholter Drohungen von Präsident Jair Bolsonaro gegen demokratische Institutionen haben Demokratie-Bewegungen in Brasilien an Kraft gewonnen. So erreichte das größte Manifest "Estamos #Juntos" (Wir stehen zusammen) bis Montag fast 200.000 Unterschriften.

Das Spektrum der Unterzeichner reicht von dem kommunistischen Gouverneur eines Bundesstaates bis zu einem Sänger, der Bolsonaro unterstützt hatte. Sie berufen sich darauf, mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zu repräsentieren und spielen auf eine kürzliche Meinungsumfrage an. (dpa)